Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2026 wird dem kroatisch-bosnischen Schriftsteller Miljenko Jergović für seine Erzählungen „Das verrückte Herz. Sarajevo Marlboro Remastered“ verliehen. Das Buch ist beim Verlag Suhrkamp erschienen. Der Text wurde aus dem Kroatischen von Brigitte Döbert übersetzt.
In der Begründung der Jury heißt es: „Den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2026 erhält der kroatisch-bosnische Schriftsteller Miljenko Jergović, der in seinem erzählerischen Werk mit großer Unbeirrbarkeit die Bruchlinien der Geschichte des Westbalkans abtastet. Ob in weit ausgreifenden Familienpanoramen, schrägen Roadmovies oder einem nachdenklichen Vaterporträt, stets bilden Kriegserfahrungen den Kern.“
Die Jury begründet weiter: „Die Belagerung Sarajevos, wo der Autor 1966 geboren wurde, steht im Mittelpunkt seines jüngsten Erzählungsbandes „Das verrückte Herz“, der zugleich einen Selbstkommentar zu seiner frühen Sammlung „Marlboro Sarajevo“ darstellt. Ein rührender Nachbar läuft zu den Belagerern über, ein junger Mann kann seine Glücksunterhosen nicht mehr anziehen, das Pfeifen der Granaten weckt Erinnerungen an Fahnenmasten am Meer, zwei Jugendstilvasen überstehen Bombeneinschläge und gehen später trotzdem zu Bruch. Mal drastisch, mal unerbittlich, mal poetisch nimmt der Schriftsteller die Versehrungen der Individuen und die Verheerungen der Gesellschaft in den Blick. Mit seiner Hinwendung zu den unscheinbaren Details und Fragmenten leistet er ästhetischen Widerstand gegen die großen Vereinfachungen und die Gefahren des Nationalismus.“
Der Preis wird zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse am 18. März 2026 im Gewandhaus zu Leipzig an Miljenko Jergović verliehen. Die Laudatio hält die serbisch-österreichische Schriftstellerin Barbi Marković.