Der von der Architektin Aline Hielscher geplante zweigeschossige Kita-Neubau in der Tarostraße wurde von der Jury mit dem Architekturpreis der Stadt Leipzig 2023 ausgezeichnet. Großzügige Verglasungen in beiden Geschossen sowie die vorgelagerte, filigrane Balkonkonstruktion verbinden alle Gruppenräume über Treppenanlagen direkt mit dem Außenraum. Die Jury lobt: „Die nach Südwesten ausgerichtete Gartenfassade überrascht durch ihren luftigen, offenen Charakter“. Weiter würdigten die Juroren „Mittels eines effizienten, gut funktionierenden Grundrisses gelingt es, mit einem Minimum an Verkehrsflächen alle notwendigen Funktionen so anzuordnen, dass trotz aller Kompaktheit ein offenes und großzügig wirkendes Raumgefüge entsteht“. Als besonders positiv hob die Jury den Low-Tech-Ansatz des Gebäudes hervor: „An allen Gebäudeseiten wurden manuell bedienbare Fensterklappen angeordnet, die eine Querlüftung gewährleisten“ und „eine Nachtauskühlung zur Entladung der mineralischen Speichermassen“ ermöglichen. Die Einsparung an zusätzlicher Außendämmung spart Ressourcen und damit verbundene graue Emissionen ein, die bei der Herstellung von Baumaterialien entstehen. Die in den letzten Jahren zahlreich entstandenen städtischen Kindertagesstätten werden durch die „Kita Tarostraße“ um einen spannungsreichen, eigenständigen Baukörper mit feiner Detaillierung ergänzt, der in mehrfacher Hinsicht Vorbildcharakter hat.
Die Architekturpreisverleihung 2023
Im Jahr 2023 wurden 29 Objekte zum Wettbewerb eingereicht. Zugelassen waren Projekte, die in den Jahren 2020 bis 2023 im Stadtgebiet von Leipzig fertiggestellt worden sind. Umbauten konnten eingereicht werden, sofern sie eine eigene schöpferische Leistung der Architekten erkennen ließen. Die Preisträger zur Auszeichnung mit dem Architekturpreis und den Lobenden Erwähnungen wurden bereits im September 2023 von einer Jury unter der Leitung des Berliner Architekten Prof. Amandus Samsøe Sattler ausgewählt. Am 13. November 2023 erhielten die Prämierten in der Leipziger Stadtbibliothek ihre Auszeichnungen.
Die Stadt Leipzig hat in 2023 drei Hauptpreise und vier lobende Erwähnungen vergeben. Damit wurde die maximale Zahl der zu vergebenden Hauptpreise voll ausgeschöpft. Dies spricht für die hohe Qualität aller eingereichten Objekte.
Die Preisverleihung fand in diesem Jahr in der Stadtbibliothek statt. Im festlichen Rahmen beglückwünschte Baubürgermeister Thomas Dienberg die prämierten Architekten und Bauherren und eröffnete zugleich die Ausstellung, die alle 29 eingereichten Arbeiten zeigt. Dazu verlas die Jury die Juryentscheidung.
Abgerundet wurde der Abend mit einem Impulsvortrag zum Thema Baukultur und deren wichtige Rolle in der Sozialgesellschaft, gehalten von dem Vorstandsvorsitzenden der Bundesstiftung Baukultur, Reiner Nagel.
Preisträger des Jahres 2023
Kita Tarostraße, 2023
Standort
Tarostraße 9A, 04103 Leipzig
Architektin
Aline Hielscher Architektur, Leipzig
Bauherr
Stadt Leipzig, Amt für Schule und Amt für Gebäudemanagement
Fachplanung
Gruner GmbH, Leipzig (Tragwerksplanung); Planungsbüro Haustechnik D. Quellmalz, Schkeuditz (Techn. Gebäudeausrüstung); Planungsbüro Ling, Wurzen (Elektroplanung); Fagus GmbH, Markkleeberg (Freianlagenplanung); Bauplanung Leipzig - Ingenieurbüro J. Zimmermann, Leipzig (Brandschutz)
Skateanlage Parkallee Leipzig Grünau, 2022
Standort
Alte Salzstraße 61, 04209 Leipzig
Archtiekten
GFSL gruen fuer stadt + leben landschaftsarchitektur eG, Leipzig
Bauherr
Stadt Leipzig, Amt für Stadtgrün und Gewässer
Fachplanung
Libero Architekten GmbH, Leipzig (Durchführung Beteiligung, Fachplanung Beton-Skateparcours bis LP4); endboss GmbH, Hannover (Fachplanung Beton-Skateparcours ab LP4)
Die Wiedereröffnung der Skateanlagen an der Parkallee in Leipzig-Grünau, geplant von den Architekten GFSL gruen fuer stadt + leben mit LIBERO Architekten und endboss GmbH wurde von der Jury mit dem Architekturpreis der Stadt Leipzig 2023 ausgezeichnet. Die Sportanlage orientiert sich an internationalen Standards und bietet der Leipziger Skaterszene hervorragende Bedingungen. Darüber hinaus werden jedoch eine Reihe weiterer Nutzungen integriert, so dass sich hier inzwischen ein bunter, inklusiver Treffpunkt unterschiedlichster sozialer Gruppen entwickelt hat. „Gestalterisch wurde die Dynamik des Skatens auf das landschaftsarchitektonische Konzept übertragen, was den Gesamteindruck deutlich prägt“, heißt es in der Jurybegründung. Die Juroren würdigten, dass die „geschickt arrangierten Skatemodule, die neben den klassischen Bowls und Flows auch eine große Anzahl von Elementen des Streetskating enthalten, […] eine starke Anziehungskraft auf Alt und Jung, Anfänger und Profis“ entfalten. „Sehr gelungen ist auch die Integration der Sportanlage in die umgebenden Freiräume“, würdigt die Jury. Mit dem neuen Skaterpark ist eine beispielhafte Anlage entstanden, die sowohl in sportlicher als auch gestalterischer Sicht höchste Maßstäbe setzt. Sie ist in kurzer Zeit zu einem beliebten Ort der Sportler und Anwohner geworden und entfaltet ihre Wirkung weit über Leipzig hinaus.
Erweiterungsbau Apollonia-von-Wiedebach-Schule
Standort
Arno-Nitzsche-Straße 7, 04277 Leipzig
Architekten
Kaden+ GmbH, Berlin
Bauherren
Stadt Leipzig, Amt für Schule; LESG Gesellschaft der Stadt Leipzig zur Erschließung, Entwicklung und Sanierung von Baugebieten mbH
Fachplanung
SGHG Planungs- und Prüfges. Bautechnik mbH, Jena (Statik, Bauphysik); RPP, Leipzig (Techn. Gebäudeausrüstung); Noris Energie-Consult, Nürnberg (Elektroplanung)
Die Apollonia-von-Wiedebach-Schule in Leipzig-Connewitz wurde 2023 zu einer fünfzügigen Oberschule für ca. 840 Schülerinnen und Schüler ausgebaut. Der unter Denkmalschutz stehende Bestandsbau aus der Kaiserzeit wurde mit viel Fingerspitzengefühl von den Architekten Kaden+ GmbH durch einen Neubau ergänzt, der eine Mensa mit Küche und Foyer, Unterrichtsräume und die Schulbibliothek aufnimmt. Der in Holzhybridbauweise errichtete Viergeschosser tritt dabei als eigenständiger Kubus in Erscheinung. Die Architekten bewiesen „Mut zum Experiment“ durch die Verwendung eines in Leipzig bisher kaum verwendeten Materials als Fassadenverkleidung für den Neubau, heißt es in der Jurybegründung. Bis auf das großflächig verglaste Erdgeschoss bedecken warmtonige, handgespaltene Holzschindeln aus Lärchenholz die Wandflächen. Der nachwachsende und klimafreundliche Baustoff Holz kam auch in der Gebäudekonstruktion und Gestaltung der Innenräume vielfach zum Einsatz. So würdigten die Juroren besonders „die ebenfalls aus Holz bestehenden Fensterbänke mit vielen Sitzgelegenheiten, […] eine durchlichtete Großzügigkeit und zugleich zum Verweilen einladende, gemütliche Aufenthaltszonen bieten. Der Erweiterungsbau der Apollonia-von-Wiedebach-Schule setzt innovative Akzente in Gestaltung und Baukonstruktion. Gleichzeitig besticht er durch eine Dialogfähigkeit gegenüber dem Bauerbe in der Nachbarschaft, die wegweisend für das Bauen im Bestand wirkt. Auch deshalb verdient der Bau den Architekturpreis der Stadt Leipzig.
Lobende Erwähnungen 2023
Zuckelhausener Ring, 04288 Leipzig
Architekten
Irlenbusch von Hantelmann Architekten BDA, Leipzig
Bauherr
Ev.-luth. Alesius-Kirchspiel, Leipzig
Fachplanung
Bosold Ingenieure, Delitzsch (Tragwerksplanung)
Die Jury zeichnete die 2021 entstandene Sakristei in Zuckelhausen mit einer lobenden Erwähnung aus. Sie würdigte, dass die Architekten Irlenbusch von Hantelmann „mit einem scheinbar kleinen Neubau einen großen Gewinn an Raum, Nutzungsangeboten und vor allem architektonischer Qualität geschaffen“ haben. Die Sakristei ist unmittelbar mit dem Altarbereich der Kirche verbunden, während sich der Gemeinderaum mit großformatigen Fenstern und Eingang zum Garten des Kirchhofs orientiert. „Die eigenständige Formensprache des elegant, leicht-geschwungenen Baukörpers, seine angenehme Proportionierung und bewusste Reduktion in der Fassadengestaltung führen an diesem Ort zu einer gelungenen baulichen Ergänzung“, heißt es in der Jurybegründung. Der Raum erzeugt trotz hoher funktionaler Dichte eine großzügige Wirkung, da eine Einbauwand verschiedene Elemente wie Küche, Installationen und Türen gut integriert. Somit ermöglicht er ein vielfältiges Gemeindeleben vom Kindergottesdienst bis zu Lesungen.
Dieser Bau wird von der Jury mit einer Lobenden Erwähnung gewürdigt, da er mit seinem gestalterischen und sozialen Anspruch einen Beitrag zur Baukultur in dem Leipziger Vorort Zuckelhausen leistet.
Kurt-Eisner-Straße 50 A, 04275 Leipzig
Architektin
Aline Hielscher Architektur, Leipzig
Bauherr
Raisch Hausverwaltung GmbH, Stuttgart
Fachplanung
Bauplanung Erler, Leipzig (Tragwerksplanung); Planungsbüro Haustechnik D. Quellmalz, Schkeuditz (Techn. Gebäudeausrüstung); Planungsbüro Ling, Wurzen (Elektroplanung); Wohlrab, Landeck & Cie, Aschersleben, (Wärmeschutz); Bauplanung Leipzig - Ingenieurbüro J. Zimmermann, Leipzig (Brandschutz)
Die Jury zeichnete die 2021 entstandene Sakristei in Zuckelhausen mit einer lobenden Erwähnung aus. Sie würdigte, dass die Architekten Irlenbusch von Hantelmann „mit einem scheinbar kleinen Neubau einen großen Gewinn an Raum, Nutzungsangeboten und vor allem architektonischer Qualität geschaffen“ haben. Die Sakristei ist unmittelbar mit dem Altarbereich der Kirche verbunden, während sich der Gemeinderaum mit großformatigen Fenstern und Eingang zum Garten des Kirchhofs orientiert. „Die eigenständige Formensprache des elegant, leicht-geschwungenen Baukörpers, seine angenehme Proportionierung und bewusste Reduktion in der Fassadengestaltung führen an diesem Ort zu einer gelungenen baulichen Ergänzung“, heißt es in der Jurybegründung. Der Raum erzeugt trotz hoher funktionaler Dichte eine großzügige Wirkung, da eine Einbauwand verschiedene Elemente wie Küche, Installationen und Türen gut integriert. Somit ermöglicht er ein vielfältiges Gemeindeleben vom Kindergottesdienst bis zu Lesungen.
Dieser Bau wird von der Jury mit einer Lobenden Erwähnung gewürdigt, da er mit seinem gestalterischen und sozialen Anspruch einen Beitrag zur Baukultur in dem Leipziger Vorort Zuckelhausen leistet.
Menzingenweg 7, 04249 Leipzig
Architekten
KO/OK Architektur BDA, Leipzig
Bauherr
Annette und Frank von den Hoff, Leipzig
Die Jury vergab für das Konzept einer Doppelhaushälfte der Architekten KO/OK Architektur in der Leipziger Kleinsiedlung Knauthain eine lobende Erwähnung. „Für den neuen Baukörper gab es städtebauliche Vorgaben wie Dachform, Gaube, Baulinie und seitlicher Eingang – aus diesen Vorgaben haben die Architekten ein eigenes Thema und ein qualitätvolles Wohnhaus für die Siedlung entwickelt“, heißt es in der Jurybegründung. Der Titel Doppelgiebel verweist auf das Prinzip, zwei Giebelhausteile zu einem Ganzen zu verbinden: Während der straßenseitige Teil verschiedene Einzelräume aufnimmt, befindet sich im gartenseitigen Teil der Gemeinschaftsbereich. Die neue Hälfte antwortet auf die Bestandshälfte in Dimensionen und Proportionen, zugleich reflektiert sie ihre Entstehungszeit und -bedingungen, indem das Holzhaus sich mit einer lebendig-strukturierten, lichtgrauen Lärchenfassade zeigt und einen angemessenen Kontrapunkt zum Mauerwerksbau setzt. „Der Materialeinsatz Holz für das neue Wohnhaus ist nicht nur ressourcenschonend und nachhaltig, sondern auch in hoher gestalterischer und konstruktiver Konsequenz umgesetzt“, würdigt die Jury. Der Doppelgiebel-Bau ist eine vorbildhafte Antwort auf Fragen nachhaltigen Wohnungsbaus in Stadtrandgebieten wie Knauthain und wird daher von der Jury mit einer Lobenden Erwähnung ausgezeichnet.
Ihmelsstraße 14, 04315 Leipzig
Architekten
RBZ Generalplanungsgesellschaft, Dresden
Bauherr
Stadt Leipzig, Amt für Schule und Amt für Gebäudemanagement
Fachplanung
Leonhardt, Andrä und Partner, Dresden (Tragwerksplanung); Storch Landschaftsarchitektur, Dresden (Freianlagenplanung)
Der Entwurf der Quartiersschule Ihmelsstraße der RBZ Generalplanungsgesellschaft wurde von der Jury mit einer lobenden Erwähnung ausgezeichnet. Unter Einbindung der denkmalgeschützten ehemaligen Hermann-Liebmann-Oberschule von 1907, die 30 Jahre leer stand und in einem sehr maroden Zustand war, wurde der Campus anstelle eines Wertstoffhofes und Garagen mit mehreren neuen, kubisch anmutenden Gebäuden entwickelt.
Der städtebauliche Entwurf zeichnet sich durch eine hohe bauliche Konzentration und Dichte, u.a. durch Stapelung der Sporthallen aus. Die Jury lobt die leichte Zugänglichkeit für stadtteilöffentliche Nutzungen. „Die positive Ausstrahlung des Schulcampus wird durch die Materialwahl in hellen und warmen Farbtönen, sowohl bei Fassadenelementen, wie aber auch bei Einbauten aus Holz in den Gemeinschaftsbereichen gewonnen“, heißt es in der Würdigung. So zeigt die Quartierschule in ihrer städtebaulichen Konfiguration mit der Freistellung des Stadtteilhauses, der Abrückung der Sporthallen, der Öffnung des Campus für nichtschulische Nutzungen und Angebote und den Freiflächen als städtischem Freiraum den Anspruch, Architektur und Städtebau als strategisches Mittel für die gesellschaftliche Entwicklung und Verständigung zu nutzen.
Weitere Informationen
Die Stadt Leipzig vergibt den Architekturpreis bereits seit 1999. Eine Übersicht aller Preisträgerinnen und Preisträger finden Sie auf unserer Webseite "Alle Preisträger seit 1999".















