Höchste Gefahrenstufe Japan beurteilt Fukushima jetzt wie Tschernobyl-Katastrophe
Höchste Gefahrenstufe: Japan beurteilt Fukushima jetzt wie Tschernobyl-Katastrophe
Foto: REUTERS/ TEPCOTokio - Neue Schreckensmeldungen aus Japan: Das Land ist am Dienstag erneut von starken Nachbeben erschüttert worden. Die Erdstöße der Stärke 6,3 haben sich laut der japanischen Meteorologiebehörde in der Präfektur Fukushima ereignet. Die Arbeiter in dem Krisen-AKW Fukushima I wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Das Erdbeben ließ auch Gebäude in der japanischen Hauptstadt Tokio schwanken. Das Zentrum lag in nur zehn Kilometern Tiefe. Eine Tsunami-Warnung wurde zunächst aber nicht herausgegeben.
Zuvor hatte es bereits ein Nachbeben der Stärke 6,4 gegeben. Dabei brach ein Feuer in dem Atomkraftwerk Fukushima aus, meldete Betreiber Tepco. Es habe aber gelöscht werden können. Es gab keine Berichte über Verletzte.
Das Desaster in dem AKW ist so gravierend, dass die japanische Atomaufsichtsbehörde (Nisa) die Gefahr des Atomstörfalls jetzt auf die höchste Stufe angehoben hat. Das Unglück hat damit die Einstufung 7 und gilt als "katastrophaler Unfall". Bislang war nur Tschernobyl in diese Kategorie eingestuft worden. Der Störfall im amerikanischen AKW Harrisburg, bei dem es ebenfalls zu einer Kernschmelze im Reaktor gekommen war, wurde auf der Skala bei 5 eingestuft.
AKW-Desaster Fukushima: Kein Ende in Sicht
Für nukleare Störfälle hatte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) Anfang der neunziger Jahre die Bewertungsskala Ines ("International Nuclear Event Scale") mit Werten von 0 bis 7 eingeführt. Die Stufen 4 bis 7 sind der Kategorie "Unfall" zugeordnet. Bisher waren die drei Problemreaktoren 1, 2 und 3 im Katastrophen-AKW Fukushima nur mit Stufe 5 bewertet worden, also als "ernster Unfall".
Das Problem ist Reaktor 2
Die jetzige Neueinstufung ist ein weiteres Anzeichen dafür, dass das Ausmaß der Katastrophe von Fukushima schlimmer ist als bisher angenommen. Gefahrenstufe 7 bedeutet auch, dass es Folgen für die Gesundheit von Menschen und für die Umwelt in einem weiten Umfeld des AKW gibt. Die in Fukushima freigesetzten radioaktiven Materialien entsprächen bisher zehn Prozent der von Tschernobyl emittierten Radioaktivität, hieß es. "Wir haben die Einstufung der Schwere auf 7 angehoben, weil die Auswirkungen der Strahlung umfassend sind - in der Luft, im Gemüse, in Leitungs- und Meerwasser", sagte ein Nisa-Sprecher.
Die Regierung kündigte an, die Messungen auszuweiten. Die freiwerdende Radioaktivität habe sich jedoch zuletzt verringert. Die Strahlung stamme überwiegend aus dem Reaktor 2, wo es am 15. März zu einer Explosion gekommen war, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo.
Das radioaktive Leck könnte jedoch die in Tschernobyl freigesetzte Menge noch übertreffen, berichtete Kyodo unter Berufung auf den Betreiber Tepco. Bisher hatte für drei Meiler im AKW Fukushima I die Stufe 5 gegolten. Diese bedeutet nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS): Begrenzte Freisetzung von radioaktiven Stoffen und Einsatz einzelner Katastrophenschutzmaßnahmen.
Die Arbeiter in Fukushima versuchen weiter, die Atomruine unter Kontrolle zu bringen. Am Vortag hatte ein weiteres starkes Erdbeben neue Probleme ausgelöst. Der Erdstoß mit der Stärke 7,0 unterbrach kurzzeitig die Stromversorgung. Die Kühlung der kritischen Reaktoren 1 bis 3 fiel für 50 Minuten aus. Das Abpumpen verseuchten Wassers verzögerte sich. Auch das Einleiten von Stickstoff zur Verhinderung von Wasserstoffexplosionen musste gestoppt werden.
Am Montag hatte die Regierung bereits die Erweiterung der Sperrzone um das AKW angewiesen und angekündigt, weitere Gebiete evakuieren zu lassen.