File 009 - Die USA und die Verschl�sselung

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Die National Security Agency darf wohl guten Gewissens als einer der exotischsten Einrichtungen in der Computerwelt der Neuen Welt bezeichnet werden. Der weltweit gr��te Arbeitgeber f�r Mathematiker horcht permanent mit mehreren gigantischen, weltweit installierten Horchposten (darunter zum Beispiel auch im bayerischen Bad Aibling) die wichtigsten Knotenpunkte der gro�en Telekommunikationsdienste ab und gilt unter Insidern als einer der gr��ten Spionageorganisationen der Welt. (Unter anderem ist die NSA auch illustres Mitglied in der Echelon-Runde, siehe hierzu auch I-File 008.)

Da ist es nur verst�ndlich, wieso verschl�sselte Botschaften dem NSA gar nicht so recht sind. Bei allen g�ngigen Verschl�sselungsverfahren ist zum Entschl�sseln ein bestimmter Schl�ssel notwendig, der, wenn man den Schl�ssel selbst nicht kennt, durch simples Ausprobieren gefunden werden muss. Dazu gibt es verschiedene Strategien, die aber letztendlich nicht so wichtig sind. Wichtig ist L�nge des Schl�ssels; je l�nger dieser ist, desto komplizierter und vor allem langwieriger ist die Suche nach dem richtigen Gegenst�ck.

Deshalb hat die US-Regierung schon fr�hzeitig den US-amerikanischen Verschl�sselungsunternehmen ihre eigenen Regeln per ber�hmt-ber�chtigter Holzhammermethode eingetrichtert: Verschl�sselungssoftware darf nur bis zu einer bestimmten Schl�ssell�nge aus den USA f�r die Nutzung durch Nicht-US-Amerikaner exportiert werden. Diese maximale Schl�ssell�nge liegt derzeit (Stand: Juli 1999) bei 128 Bit bei Exportversionen US-amerikanischen Clientsoftware (z.B. WWW-Browsern), bzw. 40 Bit bei Serversoftware (z.B. WWW-Server).

Die Reglementierung auf Schl�ssell�ngen von 40 Bit hat einen einfachen Grund: Bis zu dieser Schl�ssell�nge ist die NSA in der Lage, damit verschl�sselte Kommunikation bei Bedarf durch systematisches Ausprobieren der rechnerisch m�glichen Schl�ssel in annehmbare Zeit zu entschl�sseln. Mit entsprechender Rechenpower von Gro�rechner und Clusterformationen (System von vernetzten Rechnern) ist eine solche Brute-Force-Attack inzwischen eine Sache von wenigen Stunden geworden, so dass eine 40-Bit-Verschl�sselung gemeinhin als schwache Verschl�sselung bezeichnet wird und als unsicher gilt.

Um den Export von Verschl�sselungssoftware besser reglementieren zu k�nnen, haben die USA einen einfachen, sehr wirkungsvollen und bedenklichen Trick angewendet: Verschl�sselungssoftware wurde als Waffenmunition definiert und unterliegt damit strengsten Exportkontrollen, die unter anderem besagen, dass Verschl�sselungssoftware, die Schl�ssell�ngen �ber 40 Bit unterst�tzen, nicht in elektronischer Form exportiert werden d�rfen, weder per Download, noch per Transfer auf Datentr�gern.

Eine L�cke gibt es dennoch: Der Export von "schriftlichen Dokumentationen" unterliegt nicht diesen Exportbeschr�nkungen. Diesen Umstand haben zum Beispiel die Entwickler der als sicher geltenden Verschl�sselungssoftware PGP genutzt und den Quellcode des kompletten Programms ausgedruckt und als normales Buch ver�ffentlicht. Dieses durfte ganz offiziell aus den USA ohne gr��ere Hindernisse exportiert werden. Im Ausland wiederum wurde der Quellcode wieder eingescannt und zu einem Programm gebunden, so dass es nun zwei, technisch v�llig identische Versionen von PGP gibt: Eine normale und eine internationale (erkenntlich durch den Buchstaben "i" in der Versionsnummer).

Einen anderen, legalen Weg gehen Programme, die vorhandene, dank den US-Exportrichtlinien auf schwache Verschl�sselung getrimmte, Verschl�sselungsprogramme bearbeiten und ihnen die urspr�ngliche Verschl�sselungsst�rke zur�ckgeben. Diese Programme ver�ndern aktiv den Programmcode des Verschl�sselungsprogramms und f�gen die Teile hinzu, die f�r die starke Verschl�sselung notwendig sind. Ein Vertreter dieser Gattung ist zum Beispiel das australische Programm "Fortify for Netscape", das in einer einmaligen Aktion einem schon installierten Netscape-Browser wieder die starke Verschl�sselung implantiert.

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