Thomas Schreiber (Journalist, 1959)
Thomas Schreiber (* 24. Juli 1959 in Köln)[1] ist ein ehemaliger deutscher Medienmanager und Journalist. Von 2021 bis 2026 war er Geschäftsführer der ARD-Tochter Degeto Film.[2] Zuvor leitete er beim NDR Fernsehen von 1999 bis 2007 den Programmbereich Kultur und von 2007 bis 2021 den Programmbereich Fiktion und Unterhaltung, wobei er zugleich ARD-Unterhaltungskoordinator war.

Werdegang
BearbeitenDer aus Köln stammende Thomas Schreiber studierte nach seinem Abitur von 1979 bis 1983 an der Universität Bielefeld Literaturwissenschaften, Anglistik und Geschichte. Während dieser Zeit war er schon als freier Mitarbeiter verschiedener Radiosender (u. a. WDR, SWF und DLF) tätig, bevor er 1988 beim Norddeutschen Rundfunk zunächst Volontär war und anschließend Redakteur bei ARD-aktuell, Tagesschau und Tagesthemen wurde. 1990 erfolgte der Wechsel zum Hörfunksender NDR 4, wo er für die medienpolitische Berichterstattung zuständig war. Von 1994 bis 1999 arbeitete er für den NDR und WDR als Hörfunkkorrespondent in London. Im Anschluss kehrte er nach Hamburg zurück und übernahm dort für ca. acht Jahre bis Ende April 2007 die Leitung des NDR-Programmbereiches Kultur/Fernsehen, verantwortlich für Produktionen für NDR Fernsehen, Das Erste, KiKA, ARTE, Phoenix und 3sat.
Von Mai 2007 bis Ende April 2021 leitete er den Programmbereich Fiktion & Unterhaltung und war zusätzlich Koordinator für Unterhaltung bei der ARD.[2][3] Hier war er u. a. für die deutsche Teilnahme am Eurovision Song Contest zuständig. In dieser Funktion organisierte er die Zusammenarbeit der ARD mit ProSieben und Stefan Raab für den ESC 2010, bei dem Deutschland mit Lena seinen zweiten Sieg erreichte. Beim ESC 2011 in Düsseldorf hatte er als Executive Producer die Gesamtleitung der Produktion inne. Dafür wurde er zusammen mit dem Veranstaltungsteam im Oktober 2011 mit dem Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie Beste Unterhaltung/Show ausgezeichnet. Von 2011 bis 2015 war er Mitglied der Reference Group der Europäischen Rundfunkunion (EBU), die den ESC ausrichtet.[4]
Im November 2015 geriet Schreiber für die Entscheidung, Xavier Naidoo intern als deutschen Vertreter für den ESC 2016 in Stockholm zu nominieren, in die öffentliche Kritik.[5] Die Nominierung des Sängers wurde kritisiert, weil Naidoo eine Nähe zur rechtsextremen Reichsbürgerbewegung unterstellt wird und Texte von ihm als antisemitisch und homophob kritisiert werden.[6] Die Entscheidung, Naidoo zu nominieren, wurde vom NDR am 21. November zurückgezogen.
Zum 1. Mai 2021 trat Schreiber als Geschäftsführer der Degeto die Nachfolge von Christine Strobl an, welche als Programmdirektorin des ARD-Gemeinschaftsprogramms Das Erste die Nachfolge von Volker Herres übernahm.[7] Er füllte diese Aufgabe fünf Jahre bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand am 30. April 2026 aus. Sein Nachfolger wurde Christoph Pellander.[8]
Neben seiner Tätigkeit für Hörfunk und Fernsehen ist Schreiber Herausgeber verschiedener Bücher von und über Arno Schmidt sowie einer Kriminalroman-Reihe beim Rowohlt Verlag.
Filmografie
Bearbeiten- 2003: Adolf Eichmann – Begegnung mit einem Mörder (Ausführender Produzent)
- 2005: Shoot Back! Leben am Abgrund
- 2007: Traders’ Dreams – Eine Reise in die Ebay-Welt (Koproduzent)
- 2009: Die Päpstin (Produktionsleiter)
- 2010: Tatort – Vergissmeinnicht (Herstellungsleiter)
- 2010: Im Angesicht des Verbrechens (Produktionsleiter)
- 2011: Homevideo (Redaktionsleitung)
Auszeichnungen
Bearbeiten- 1992: Kurt-Magnus-Preis
- 2008: Deutscher Fernsehpreis
- Kategorie Beste Dokumentation für Das Schweigen der Quandts als Redaktionsleiter
- 2010: Deutscher Fernsehpreis
- Kategorie Beste Unterhaltung für Unser Star für Oslo als Redaktionsleiter
- 2011: Deutscher Fernsehpreis
- Kategorie Beste Unterhaltung/Show für die Produktion des Eurovision Song Contest 2011, zusammen mit Jörg Grabosch (Produzent), Anke Engelke, Stefan Raab, Judith Rakers (Moderation), Jerry Appelt (Light Design), Florian Wieder (Production Design), Falk Rosenthal (Media Design) und Ladislaus Kiraly (Regie)
- Kategorie Bester Fernsehfilm für Homevideo (als Redaktionsleiter)
- 2011: ECHO
- Kategorie Medienpartner des Jahres für seine Beteiligung an Unser Star für Oslo
- 2012: Live Entertainment Award
- Kategorie Show des Jahres für die Veranstaltung des ESC 2011
- 2012: Rose d’Or
- Kategorie TV Movie für Homevideo
- Kategorie Live Event Show für die Veranstaltung des ESC 2011
Weblinks
Bearbeiten- Thomas Schreiber bei IMDb
Einzelnachweise
Bearbeiten- ↑ TS wird 60: Happy Birthday, Thomas Schreiber! esc-kompakt.de. 24. Juli 2019, abgerufen am 7. Februar 2024.
- 1 2 Manuel Weis: ARD: Unterhaltungskoordinator Schreiber wird neuer Degeto-Chef. Quotenmeter.de. 24. September 2020, abgerufen am 7. Februar 2024.
- ↑ Thomas Schreiber soll neuer Degeto-Geschäftsführer werden. ARD.de. 24. September 2020, abgerufen am 7. Februar 2024.
- ↑ Eurovision Song Contest Reference Group auf ebu.ch ( vom 16. November 2012 im Internet Archive)
- ↑ Florian Siebeck: ESC-Koordinator Schreiber. „Wir wussten, dass Naidoo polarisiert“. FAZ.NET. 19. November 2015, abgerufen am 7. Februar 2024.
- ↑ Sänger soll Deutschland beim ESC vertreten. Xavier Naidoo - eine umstrittene Nominierung. tagesschau.de. 19. November 2015, abgerufen am 7. Februar 2024.
- ↑ Jochen Müller: Thomas Schreiber startet als Degeto-Geschäftsführer. Blickpunkt:Film. 3. Mai 2021, abgerufen am 7. Februar 2024.
- ↑ Alexander Krei: Kontinuität an der Spitze: Christoph Pellander wird Degeto-Chef. In: DWDL.de. 16. Oktober 2025, abgerufen am 22. Mai 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schreiber, Thomas |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Journalist und TV-Programmleiter |
| GEBURTSDATUM | 24. Juli 1959 |
| GEBURTSORT | Köln |