Pschyrembel (Medizinisches Wörterbuch)
Pschyrembel [] ist eine Marke für medizinische Nachschlagewerke des Verlags Walter de Gruyter in Berlin. Der Name bezieht sich auf den Frauenarzt Willibald Pschyrembel (1901–1987), der lange das von Otto Dornblüth begründete Klinische Wörterbuch des Verlags betreut hat. Dieses Wörterbuch ist ein alphabetisches Verzeichnis der gebräuchlichsten und wichtigsten Begriffe der Medizin. Es wurde insbesondere für die medizinischen Berufe konzipiert. Im deutschen Sprachraum erlangte „der Pschyrembel“ (früher „der Dornblüth“) eine Bedeutung für den medizinischen Sprachgebrauch, wie sie der Duden für die allgemeine deutsche Sprache hat.
Pschyrembel Klinisches Wörterbuch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Geschichte des Pschyrembel begann mit dem Wörterbuch der klinischen Kunstausdrücke („Für Studierende und Ärzte“) des Freiburger Mediziners Otto Dornblüth, das 1894 im Verlag Veit & Comp., Leipzig, erstmals erschien. Dieser Verlag gehörte zu den fünf Gründungsgesellschaften des Verlages Walter de Gruyter, bei dem der Pschyrembel seither erscheint. Von 1932 bis 1982 übernahm der Berliner Frauenarzt und Universitätsprofessor Willibald Pschyrembel die Herausgeberschaft.[1] In den sieben Ausgaben von 1932 bis 1940 wurde sein Vorname auf dem Titelblatt vom Verlag mit nur einem l (in Willi-) geschrieben.
An der 185. bis 250. Auflage wirkten 17 namentlich genannte Fachärzte mit.[2] Zu den weiteren Herausgebern und Leitern der Wörterbuch-Redaktion des Verlags gehörten ab 1985 Christoph Zink (der 1951 geborene[3] Sohn des Sachbuchverfassers Jörg Zink) und von 1993 bis 1997 Helmut Hildebracht. Die 261. Auflage (bzw. 44. Ausgabe) besorgte Martina Bach. Die aktuelle Auflage 270 erschien im Juni 2026. Neben der gedruckten Buchversion sind auch eine (kostenpflichtige) Online-Version sowie Versionen für Windows Mobile, iOS und Android erhältlich.
Eine Kuriosität des Pschyrembel ist der fingierte Lexikonartikel über die von Loriot erdachte Steinlaus: Anfangs ein Scherz der Redaktion in der 255. und 256. Auflage, der dann in der 257. Auflage wieder entfernt, aber infolge vieler Lesernachfragen ab der 258. Auflage erneut eingesetzt wurde, findet der Eintrag heute eine große Fangemeinde und bekam ein eigenes Weblog.[4]
Ausgaben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Klinisches Wörterbuch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Otto Dornblüth: Wörterbuch der klinischen Kunstausdrücke. Für Studierende und Ärzte. Verlag Veit & Comp., Leipzig 1894 (Textarchiv – Internet Archive).
- Otto Dornblüth: Klinisches Wörterbuch. Die Kunstausdrücke der Medizin. 2. Auflage 1901 bis 17.–18. Auflage 1930.
- Otto Dornblüth: Klinisches Wörterbuch. Die Kunstausdrücke der Medizin. Bearbeitet von Wilibald [sic] Pschyrembel. 19.–20. Auflage 1932[5] bis 39.–42. Auflage 1940.
- Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 43.–47. Auflage 1942 bis 254. Auflage 1982.
- Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch mit klinischen Syndromen und Nomina Anatomica. 255. Auflage 1986 bis 265. Auflage 2013.
- Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. neu bearbeitete Auflage. De Gruyter, Berlin / Boston 2014.
Einzelne Auflagen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1. Auflage 1894 (Nachdruck Walter de Gruyter Verlag, ISBN 978-3-11-017381-9)
- 2. Auflage 1901[6]
- 3. Auflage 1907
- 4. Auflage 1911
- 5. Auflage 1914
- 6. Auflage 1916
- 7. Auflage 1917
- 8. Auflage 1919[7]
- 9. Auflage 1919
- 10. Auflage 1921
- 11. Auflage 1922
- 12. Auflage 1926
- 13.–14. Auflage 1927[8]
- 15.–16. Auflage 1929
- 17.–18. Auflage 1930[9]
- 19.–20. Auflage 1932 („neu durchgesehen und ergänzt von Dr. Wilibald [sic] Pschyrembel“)
- 21.–22. Auflage 1934[10]
- 23.–26. Auflage 1936[11][12]
- 27.–30. Auflage 1937
- 31.–34. Auflage 1939
- 35.–38. Auflage 1940
- 39.–42. Auflage 1940[13]
- 43.–47. Auflage 1942
- 48.–53. Auflage 1942
- 54.–60. Auflage 1943[14]
- 61.–84. Auflage 1944[15]
- 85.–99. Auflage 1951
- 100.–106. Auflage 1952[16][17]
- 107.–116. Auflage 1955
- 117.–122. Auflage 1958
- 123.–153. Auflage 1959
- 154.–184. Auflage 1964
- 185.–250. Auflage 1969
- 251. Auflage 1972 (ISBN 3-11-003657-6)
- 252. Auflage 1975 (ISBN 3-11-004844-2)
- 253. Auflage (bzw. 36. Ausgabe) 1977 (ISBN 3-11-007018-9)
- 254. Auflage 1982 (ISBN 3-11-007187-8)
- 255. Auflage 1986 (ISBN 3-11-007916-X)[18]
- 256. Auflage 1990 (ISBN 3-11-010881-X)
- 257. Auflage 1994 (ISBN 3-11-014183-3, ISBN 3-933203-04-X)
- 258. Auflage 1998 (ISBN 3-11-015676-8, ISBN 3-11-014824-2)
- 259. Auflage 2002 (ISBN 3-11-016522-8)[19]
- 260. Auflage 2004 (ISBN 3-11-017621-1)
- 261. Auflage 2007 (ISBN 978-3-11-018534-8)[20]
- 262. Auflage („2011“) 2010 (ISBN 978-3-11-021152-8)
- 263. Auflage („2012“) 2011 (ISBN 978-3-11-025166-1)
- 264. Auflage („2013“) 2012 (ISBN 978-3-11-027788-3)
- 265. Auflage („2014“) 2013 (ISBN 978-3-11-030509-8)
- 266. Auflage 2014 (ISBN 978-3-11-033997-0)
- 267. Auflage 2017 (ISBN 978-3-11-049497-6) (50. Ausgabe)
- 268. Auflage 2020 (ISBN 978-3-11-068325-7)
- 269. Auflage 2023 (ISBN 978-3-11-078334-6)
- 270. Auflage 2026 (ISBN 978-3-11-131898-1)
Weitere Pschyrembel-Wörterbücher
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit Ende der 1990er Jahre veröffentlicht der Verlag Walter de Gruyter weitere medizinische Wörterbücher zu den Themen Therapie, Pflege, Diabetologie, Naturheilkunde und Sozialmedizin. Für diese wurde in Anlehnung an das gut im Markt eingeführte Klinische Wörterbuch der Markenname Pschyrembel gewählt.
- Pschyrembel Therapie. 4. überarbeitete und ergänzte Auflage. De Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-020568-8
- Pschyrembel Psychiatrie, Klinische Psychologie, Psychotherapie. De Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-018888-2; 2. Auflage, unter dem Titel Pschyrembel Psychiatrie, Klinische Psychologie und Psychotherapie hrsg. von Jürgen Margraf und Wolfgang Maier, ebenda 2012, ISBN 978-3-11-026258-2
- Pschyrembel Pflege. 3. Auflage, hrsg. von Susanne Wied und Angelika Warmbrunn. De Gruyter, Berlin 2012, ISBN 978-3-11-025855-4
- Pschyrembel Sozialmedizin. De Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-017605-6; 2. Auflage, unter dem Titel Pschyrembel Sozialmedizin und Public Health hrsg. von Silke Brüggemann, Christiane Niehues, Anne D. Rose und Beatrice Schwöbe, ebenda Berlin 2015, ISBN 978-3-11-033964-2
- Pschyrembel Wörterbuch Naturheilkunde und alternative Heilverfahren. Bearbeitet von Helmut Hildebrandt. De Gruyter, Berlin/New York 1996; 4. Auflage, hrsg. von Julia Miagat, ebenda 2011, ISBN 978-3-11-025112-8
- Pschyrembel Wörterbuch Diabetologie. 2. Auflage. De Gruyter, Berlin 2006, ISBN 978-3-11-018885-1
- Pschyrembel Wörterbuch Sexualität. De Gruyter, Berlin 2003, ISBN 3-11-016965-7
- Hunnius Pharmazeutisches Wörterbuch. 11. Auflage, hrsg. von Hermann P. T. Ammon und Manfred Schubert-Zsilavecz. De Gruyter, Berlin 2014, ISBN 978-3-11-030990-4.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Matthias Sonnenschein: Pschyrembel. Rezension aus: Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 2/1994 Bibliotheksservice-Zentrum (BSZ) Baden-Württemberg
- Stefanie Schramm: Handbuch für Hypochonder. Rezension zur 261. Auflage des Pschyrembel. In: Die Zeit. Nr. 39, 20. September 2007.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Pschyrembel Online – Offizielle Seite von De Gruyter
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Otto Dornblüth: Klinisches Wörterbuch. 19. und 20. Auflage, in der Bearbeitung von Emil Bannwarth, neu durchgesehen und ergänzt von Wilibald [sic] Pschyrembel, Walter de Gruyter & Co. Berlin und Leipzig 1932; Zitat aus dem Vorwort auf Seite VI: „Als ich im Vorjahr die Herausgabe des Werkes übernahm …“.
- ↑ Vorwort abgedruckt in der 251. Auflage 1972.
- ↑ ABW Wissenschaftsverlag GmbH - Harrisons Innere Medizin - Bio-Terry. 13. Mai 2006, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 13. Mai 2006; abgerufen am 2. Oktober 2023. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ Pschyrembel Weblog. Abgerufen am 2. Oktober 2023 (deutsch).
- ↑ Die Herausgeberschaft ist nicht klar: Klinisches Wörterbuch, Die Kunstausdrücke der Medizin, von Dr. Otto Dornblüth, neunzehnte und zwanzigste Auflage, in der Bearbeitung von Dr. Emil Bannwarth, neu durchgesehen und ergänzt von Dr. Wilibald [sic] Pschyrembel, Berlin und Leipzig, Walter de Gruyter & Co 1932. − Veits Sammlung wissenschaftlicher Wörterbücher wurde von Dr. Carl Walter Schmidt herausgegeben. – Auf Seite VI im Vorwort schreibt Pschyrembel: „Als ich im Vorjahr die Herausgabe des Werkes übernahm“.
- ↑ Otto Dornblüth: Klinisches Wörterbuch – Die Kunstausdrücke der Medizin. zweite, wesentlich vermehrte Auflage, Verlag von Veit & Comp., Leipzig 1901, 176 Seiten.
- ↑ Otto Dornblüth: Klinisches Wörterbuch. 8. Auflage, Verlag von Veit & Comp., Leipzig 1919.
- ↑ Otto Dornblüth: Klinisches Wörterbuch. 13. + 14. Auflage, umgearbeitet von Emil Bannwarth, Verlag Walter de Gruyter, Berlin / Leipzig 1927, 464 Seiten. Onlinefassung.
- ↑ In der Ausgabe von 1930 wird Pschyrembel noch nicht erwähnt. Erwähnt werden 1930 Emil Bannwarth als Bearbeiter und der Zoologe Thilo Krumbach mit einem Vorwort. In Pschyrembels Nachruf schrieb Der Spiegel am 14. Dezember 1987: „Seit 1930 schrieb der Berliner Arzt an einem absoluten Bestseller.“
- ↑ In einer Verlagswerbung (für Buchhändler zur Abgabe an Kunden) schreibt der Verlag: „Die 21. Auflage hat einen Umfang von 550 Seiten mit über 200 Abbildungen im Text und kostet in Leinen gebunden RM 7,--“ Anmerkung: Auch hier wird Pschyrembels Vorname im Impressum mit nur einem l (in Willi-) geschrieben.
- ↑ Otto Dornblüth: Klinisches Wörterbuch. Die Kunstausdrücke der Medizin. 23.–26. vermehrte und verbesserte Auflage, bearbeitet von Wilibald [sic] Pschyrembel. Walter de Gruyter & Co., Berlin 1936 (= Veits Sammlung wissenschaftlicher Wörterbücher. Hrsg. von Carl Walter Schmidt).
- ↑ Zitat aus einer zeitgenössischen Rezension: „Bei dem niedrigen Preis [7 Mark] wird sich jeder Arzt gerne dieses Buch anschaffen, welches für wissenschaftliche Lektüre und wissenschaftliches Arbeiten unentbehrlich ist, und in welchem man auch die seltensten Fachausdrücke erklärt findet.“ Quelle: Max Ostermann (Hrsg.): Ars Medici – Das Organ des praktischen Arztes. XXVI. Jahrgang, Wien 1936, Nummer 5, S. 306.
- ↑ Wilibald (sic) Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 39. bis 42. Auflage, Walter de Gruyter & Co., Berlin 1940.
- ↑ Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. Gegründet von Otto Dornblüth. 54.–60. Auflage. Mit 632 Abbildungen im Text. Walter de Gruyter & Co., Berlin 1943.
- ↑ Zu dieser Ausgabe gehört ein Anhang. Zumindest wird auf Seite 335 beim Stichwort Inotrop (als einzige Erklärung) auf einen solchen Anhang verwiesen. Mir liegt eine vom Verlag buchbinderisch (im Auftrag von Martina Bach) aufgearbeitete Originalausgabe vor; ein Anhang fehlt jedoch. – Es ist auf der letzten Seite ein hellblaues Blättchen (7,5 × 11 cm) eingeklebt: „Zur Beachtung! Bei einer Anzahl von Stichworten ist auf einen Anhang hingewiesen, der dem Buch beigefügt werden sollte. Infolge der kriegsbedingten Verhältnisse ist dieser Anhang nicht zum Druck gekommen; die betr. Stichworte werden beim Erscheinen einer neuen Auflage im Text verarbeitet. Verlag Walter de Gruyter & Co., Berlin W 35.“
- ↑ Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 100.–106. Auflage, Walter de Gruyter & Co., Berlin 1952, 1038 Seiten.
- ↑ Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 100.–106. Auflage, "Ausgabe für die DDR", Walter de Gruyter & Co., Berlin 1952, 1021 Seiten. – Hier fehlen das Verzeichnis der wortgeschützten Arzneimittel und einige bezahlte Werbeanzeigen.
- ↑ Eigentlich die von Christoph Zink besorgte 38. Auflage [besser: Ausgabe], wenn man die einzelnen Auflagen nummerisch durchzählen würde. Nach dieser unüblichen Zählung ist die aktuelle 267. Auflage aus 2017 die fünfzigste Auflage (besser: Ausgabe).
- ↑ Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 260. Auflage, Walter de Gruyter, Berlin und New York 2004, Seite IV, Auflagenchronik. Anmerkung: Diese Chronik ist die letzte richtige (Ausnahme: 8. Auflage) Chronik und die vorletzte überhaupt.
- ↑ Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 261. Auflage, Walter de Gruyter, Berlin und New York 2007, Seite IV, Auflagenchronik. Anmerkung: Diese letzte erschienene Auflagenchronik hat für die sechs Auflagen 254 bis 259 jeweils die Zahl 1 vom korrekten Erscheinungsjahr subtrahiert. Das falsche Erscheinungsjahr der achten Auflage wurde nicht korrigiert.