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Lionardo Vigo

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Lionardo Vigo porträtiert von Antonino Bonaccorsi

Lionardo Vigo, auch Lionardo Vigo Calanna oder Leonardo Vigo (* 25. September 1799 in Acireale im Königreich Sizilien; † 14. April 1879 ebenda), war ein sizilianischer Dichter, Schriftsteller und Philologe.

Familie und Ausbildung

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Vigo wurde in eine genuesische Adelsfamilie hineingeboren. Sein Vater, Pasquale Vigo, entstammte jenem Zweig der Familie, der im 17. Jahrhundert die Markgrafenschaft Gallodoro und Letojanni sowie das Steueramt von Acireale übernommen hatte. Seine Mutter Ignazia Calanna, die Tochter eines Juristen, verstarb bereits, als Leonardo erst drei Jahre alt war.

1831 heiratete Lionardo Vigo Carlotta (geb. Sweeny), die Tochter eines Engländers und einer Sizilianerin. Sie starb 1833, während der Geburt ihrer Tochter Carlottina. Er heiratete 1854 in zweiter Ehe Marianna (geb. Famoso) aus Palermo, mit der er drei Kinder hatte.[1]

Vigo erhielt seine erste Ausbildung bis 1811 am Oratorio Filippino (siehe Philipp Neri) in Acireale sowie am Colleg Cutelli in Catania. Im Alter von elf Jahren wechselte er an das von Giuseppe Noto geleitete Institut Calasunzio in Messina, um dort bis 1816 seine schulische Laufbahn fortzusetzen.

Universitäre Studien und berufliche Laufbahn

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Nach Abschluss seiner juristischen Ausbildung promovierte Vigo 1822 an der Universität Catania. Im Jahr 1823 veröffentlichte er seinen ersten Band Prose e poesie, in dem sein Interesse für Poesie und Volkstraditionen deutlich wurde; dazu widmete er sich auch archäologischen Forschungen.

1826 zog Vigo nach Syrakus und anschließend nach Agrigent; dort erhielt er eine administrative Tätigkeit in der Steuer- oder Finanzverwaltung; gleichzeitig verzichtete er auf eine Karriere in der Justiz. Damals festigte sich seine Überzeugung, Sizilien sei dem restlichen Mittelmeerraum politisch und kulturell überlegen, was ihn zum Anhänger des sizilianischen Regionalismus machte.

In den 1830er Jahren bereiste Vigo die bedeutendsten italienischen Zentren und knüpfte Kontakte zu führenden intellektuellen und politischen Persönlichkeiten der Zeit, darunter Massimo D’Azeglio, Francesco Domenico Guerrazzi (1804–1873)[2], Niccolò Tommaseo und Giovanni Prati (1815–1884)[3], mit denen er langjährige Korrespondenzen unterhielt.

Mit dem italienischen Risorgimento und der Vereinigung mit dem Königreich Italien änderte sich Vigos Haltung. Während er zunächst begeistert war, wandelte sich sein Standpunkt bald zur Kritik am zentralistischen savoyischen System. Zwischen 1861 und 1864 kam es zum Bruch mit Michele Amari, der als Unterrichtsminister seine Kandidaturen für verschiedene Ämter ablehnte.

Auch wenn man über seine wissenschaftliche Arbeit stritt, schadete das seinem Ansehen als Schriftsteller nicht. Seine letzten Jahre verbrachte er in Acireale, wo er Inspektor der Ausgrabungen war; in dieser Funktion wurde er zum Förderer der Restaurierung der Burg von Aci und der Fresken von Pietro Paolo Vasta.

Als Studienrat trug er zur Gründung eines öffentlichen Gymnasiums und technischer Schulen bei. Als Archäologe und Historiker erforschte er die Ursprünge des antiken Aci[4] und zu der verschwundenen Stadt Xiphonia. Zugleich förderte er die Wiederbelebung der beiden alten Akademien, der Zelantea und der Dafnica[5] und richtete öffentliche Wettbewerbe aus.

Wissenschaftliches Werk

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Wohnhaus von Lionardo Vigo in Acireale

Seine Forschungsschwerpunkte und literarischen Tätigkeiten erstreckten sich auf die Poesie, die Geschichts- und Literaturwissenschaft sowie die Altertumskunde und die politisch-kulturelle Entwicklung Siziliens.

Vigos bekanntestes Werk ist die 1857 veröffentlichte Sammlung der Volkslieder Siziliens Canti popolari siciliani, die als Pionierstudie der sizilianischen Folklore betrachtet wurde. Das enorme Unternehmen der Erfassung und Katalogisierung von Volksliedern, unterstützt durch Mitarbeiter wie Luigi Capuana, verfolgte nicht nur wissenschaftliche, sondern auch politisch-kulturelle Ziele: Vigo wollte damit die Idee einer sizilianischen Nation, die ebenso alt wie unabhängig von äußeren Einflüssen ist untermauern.

Die Sammlung fand außerhalb Siziliens gute Aufnahme, erhielt aber auch Kritik von etablierten Wissenschaftlern wie Michele Amari, Costantino Nigra, Alessandro D’Ancona und Angelo De Gubernatis, die Vigos Methoden als zu ungenau und philologisch mangelhaft kritisierten. Weiterhin warfen sie ihm eine mangelnde wissenschaftliche Strenge bei der philologischen Aufarbeitung seiner Liedersammlung sowie eine oberflächliche Herangehensweise hinsichtlich der sprachhistorischen Entwicklung der Insel vor. Eine erweiterte Neuausgabe unter dem Titel Raccolta amplissima erschien 1874, verschärfte die Kritik jedoch weiter.

Gegen Ende der 1850er Jahre begann Vigo an seinem Hauptwerk Protostasis sicula zu arbeiten, das die politisch-kulturelle Überlegenheit Siziliens von seinen mythologischen Ursprüngen an demonstrieren sollte. Er arbeitete daran bis zu seinem Tod, konnte es aber nicht vollenden.

Sein Nachlass, einschließlich eines umfangreichen Briefwechsels und unveröffentlichter Manuskripte, wird in der Bibliothek der Accademia di scienze, lettere e belle arti degli Zelanti e dei Dafnici in Acireale aufbewahrt.

Politisches Wirken während der Revolutionen

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Zu Beginn seiner politischen Laufbahn zeigte Vigo Sympathien für das Regime der Bourbonen, kritisierte jedoch die Aufhebung der Verfassung von 1812, welche die Unabhängigkeit Siziliens von Neapel und ein Parlament nach britischem sowie französischem Vorbild vorgesehen hatte. Die gewaltsame Vereinigung der beiden Reiche zum Königreich beider Sizilien durch Ferdinand I. im Jahr 1816 markierte für Vigo einen Wendepunkt: Die Enttäuschung über das Ende der sizilianischen Eigenständigkeit verlieh seiner Haltung eine zunehmend radikale und separatistische Prägung.

Die sizilianische Revolution von 1848 (siehe Italienische Unabhängigkeitskriege) markierte einen entscheidenden Wendepunkt in Vigos Leben. Überzeugt, dass die Zeit der Befreiung Siziliens gekommen war, wurde er in das Komitee zur Verwaltung Acireales gewählt und schloss sich den antibourbonischen Aufständen an. Er zog nach Palermo und wurde auf Vorschlag seines Onkels Salvatore Vigo Platania und seines Cousins Leonardo Vigo Fuccio (1805–1882)[6] als Mitglied des neuen sizilianischen Parlaments gewählt. Dort übernahm er den Vorsitz der parlamentarischen Kriegskommission und setzte sich für Maßnahmen ein, die die Rückkehr zur Verfassung von 1812 und die Unabhängigkeit Siziliens zum Ziel hatten. In dieser Zeit stand er in direktem Kontakt mit Ruggero Settimo, Mariano Stabile (1806–1863)[7] sowie Emerico (1810–1870)[8] und Michele Amari.

Nach der Niederschlagung der Revolution durch die Truppen von Ferdinand II. vermied Vigo das Exil durch taktische Manöver – er stimmte nicht für die Absetzung der Monarchie ab und bekannte sich später öffentlich zur Treue gegenüber dem Hause Bourbon.

Mitgliedschaften

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Vigo war Mitglied der Commissione di antichità e belle arti (Kommission für Altertümer und Schöne Künste) für Sizilien und gehörte zahlreichen gelehrten Gesellschaften innerhalb und außerhalb Italiens an.

Ehrungen und Auszeichnungen

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Die Städte Palermo und Rapallo verliehen Vigo das Ehrenbürgerrecht.

In Acireale wurden die Schule Istituto Magistrale e Commerciale L.R. Lionardo Vigo sowie die Piazza Lionardo Vigo nach ihm benannt.[9][10]

Schriften (Auswahl)

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  • Memorie storiche di Pietro Paolo Vasta. Palermo, 1827 (Digitalisat).
  • Notizie storiche della città di Acireale. Palermo, 1836 (Digitalisat).
  • Analisi delle considerazioni del principe di scordia sulla storia di Carlo Botta dal 1532 al 1789. Palermo, 1836 (Digitalisat).
  • De’ bisogni della cultura e del commercio de’ vini in Sicilia. Palermo, 1845 (Digitalisat).
  • Degli archivi di Napoli e di Sicilia. Palermo, 1847 (Digitalisat).
  • Canti popolari siciliani. Catania, 1857 (Digitalisat).
  • Sulla canzone di Ciullo d’Alcamo. Catania, 1859 (Digitalisat).
  • Lirica. Torino, 1861 (Digitalisat).
  • Dante e la Sicilia. Palermo, 1870 (Digitalisat).
  • Raccolta amplissima di canti popolari Siciliani. Catania 1870–1874 (Digitalisat).
  • Lionardo Vigo. In: Conrad Bursian (Hrsg.): Biographisches Jahrbuch für Alterthumskunde, 2. Jahrgang, 1879. Berlin, 1880. S. 19–20 (Digitalisat).
  • Michele Calì: La Sicilia nei canti di Lionardo Vigo.
  • Giambattista Grassi-Bertazzi: Lionardo Vigo e i suoi tempi. Catania, 1897 (Digitalisat).
  • Giambattista Grassi-Bertazzi: Vita intima lettere inedite di Lionardo Vigo e di alcuni illustri suoi contemporanei. Catania, 1896 (Digitalisat).
  • Sergio Bonanzinga: Lionardo Vigo, un pioniere dell’etnografia siciliana. 2015 (Digitalisat).
Commons: Lionardo Vigo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ Family tree of Leonardo Vigo. Abgerufen am 28. März 2026 (englisch).
  2. ↑ Guerrazzi, Francesco Domenico - Enciclopedia. Abgerufen am 27. März 2026 (italienisch).
  3. ↑ Prati, Giovanni. In: Encyclopædia Britannica. 1911, abgerufen am 27. März 2026 (englisch).
  4. ↑ Aci - Enciclopedia. Abgerufen am 27. März 2026 (italienisch).
  5. ↑ Home. In: Accademia degli Zelanti e dei Dafnici. 2026, abgerufen am 27. März 2026 (italienisch).
  6. ↑ VIGO FUCCIO Leonardo. In: Patrimonio dell’Archivio storico Senato della Repubblica. Abgerufen am 28. März 2026 (italienisch).
  7. ↑ Stabile, Mariano. In: Enciclopedia. Abgerufen am 28. März 2026 (italienisch).
  8. ↑ Emerico Amari (1810-1870) – Find a Grave... Abgerufen am 28. März 2026.
  9. ↑ Istituto Scolastico Paritario «Lionardo Vigo» Acireale. Abgerufen am 27. März 2026.
  10. ↑ Piazza Lionardo Vigo, Acireale (Sicilia). Abgerufen am 28. März 2026.