Indischer Schriftenkreis

Unter dem indischen Schriftenkreis versteht man die Abkömmlinge der Brahmi-Schrift. Sie werden häufig als „indische Schriften“ bezeichnet, auch wenn einige davon außerhalb Indiens heimisch sind.
Südasien und das sich östlich anschließende Südostasien (einschließlich Indonesien) sind die Weltregion, in der heute die meisten unterschiedlichen Schriften verwendet werden. Dies gilt vor allem für den indischen Subkontinent mit den Ländern Bangladesch, Bhutan, Indien, Malediven, Nepal, Pakistan und Sri Lanka.
In Indien und anderen südasiatischen Ländern werden unter anderem die folgenden indischen Schriften verwandt: Bengalische Schrift, Devanagari, Gujarati-Schrift, Gurmukhi-Schrift, Kannada-Schrift, Malayalam-Schrift, Oriya-Schrift, singhalesische Schrift, Tamil-Schrift und Telugu-Schrift. Außerhalb des indischen Subkontinents werden beispielsweise die balinesische Schrift, die birmanische Schrift (Myanmar), die Khmer-Schrift, die laotische Schrift, die thailändische Schrift und die tibetische Schrift verwandt.
Abgrenzung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Verbreitungsgebiet des indischen Schriftenkreises kommen insgesamt Schriftarten aus folgenden Gruppen vor:
- Indischer Schriftenkreis (Abkömmlinge der Brahmi-Schrift)
- Arabisch-Persisch (jeweils gesonderte Versionen zum Beispiel für Urdu, Sindhi, Kashmiri und Malaiisch)
- Thaana (für die indoarische Sprache Dhivehi auf den Malediven)
- Ol Chiki (für die indische Munda-Sprache Santali)
- Latein (in Indien neben Devanagari und anderen Schriften für das in Goa gesprochene Konkani sowie für einige Munda- und tibeto-birmanische Sprachen und die Mon-Khmer-Sprache Khasi; außerdem für die indische Amtssprache Englisch; in SO-Asien für Malaiisch und Vietnamesisch)
Während die Brahmi-Abkömmlinge sowie Ol Chiki und Thaana autochthon sind, sind die arabische und die lateinische Schrift importiert.
Genealogie
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Zur Herkunft der Brahmi-Schrift siehe Genealogie der vom Protosemitischen abgeleiteten Alphabete.
Im Folgenden sind die Abkömmlinge der Brahmi-Schrift aufgeführt:
Brahmi-Schrift – ca. 250 v. Chr. (Indien, Sri Lanka)
- Gupta-Schrift – ca. 400 n. Chr. (Nordindien)
- Tocharische Schrift – ca. 500 (Westchina)
- Mongolische Brahmi-Schrift – zwischen 584 und 620 (Bugut- und Hüis-Tolgoi-Inschrift, Mongolei)
- Kalinga-Schrift – ca. 500 (Ostindien)
- Siddham – ca. 600 (Nordindien)
- Nagari-Schrift – ca. 750 (Indien)
- Devanagari – ca. 1100 (Indien)
- Newari-Schrift (Ranjana) – ca. 1150 (Nepal)
- Sojombo-Schrift – ca. 1686 (Mongolei)
- Modi-Schrift – ca. 1600 (Indien)
- Gujarati-Schrift – ca. 1600 (Indien)
- Newari-Schrift (Ranjana) – ca. 1150 (Nepal)
- Devanagari – ca. 1100 (Indien)
- Sharada-Schrift – ca. 770 (Pakistan)
- Gurmukhi-Schrift – ca. 1539 (Pakistan, Nordindien)
- Gaudi-Schrift – ca. 900 (Nordost Indien)
- Bengalische Schrift – ca. 1050 (Ostindien, Bangladesch)
- Oriya-Schrift – ca. 1100 (Ostindien)
- Bengalische Schrift – ca. 1050 (Ostindien, Bangladesch)
- Nagari-Schrift – ca. 750 (Indien)
- Tibetische Schrift – ca. 650 (Tibet)
- Phagpa-Schrift – 1269 (Mongolei)
- Lepcha-Schrift – ca. 1700 (Bhutan)
- Limbu-Schrift – ca. 1740 (Sikkim)
- Tocharische Schrift – ca. 500 (Westchina)
- Pallava-Schrift – ca. 4. Jh. n. Chr. (Südindien)
- Cham-Schrift – 4. Jh. (Vietnam, Kambodscha)
- Khmer-Schrift – ca. 600 (Kambodscha)
- Thailändische Schrift – 1283 (Thailand)
- Khom-Thai-Schrift – 15. Jh. (Thailand, Laos)
- Laotische Schrift – ca. 1497 (Laos)
- Mon-Birmanische Schrift – 5. Jh. (Thailand, Burma)
- Lanna-Schrift – 14. Jh. (Thailand)
- Birmanische Schrift – 17. Jh. (Burma)
- Ahom-Schrift – ca. 15.–19. Jh. (Nordostindien)
- Kawi-Schrift – ca. 8. Jh. (Indonesien)
- Javanische Schrift – ca. 900 (Indonesien)
- Balinesische Schrift – ca. 1000 (Indonesien)
- Altsundanesische Schrift – ca. 1300 (Indonesien)
- Formal Sundanese script – 1997 (Indonesien)
- Batak – ca. 1300 (Indonesien)
- Baybayin – ca. 1300 (Philippinen)
- Buhid-Schrift – ca. 1300 (Philippinen)
- Hanunó'o-Schrift – ca. 1300 (Philippinen)
- Tagbanuwa-Schrift – ca. 1300 (Philippinen)
- Lontara – ca. 1600 (Indonesien)
- Rejang-Schrift – ? (Indonesien)
- Lampung – ? (Indonesien)
- Kerinci-Schrift – ? (Indonesien)
- Grantha-Schrift – ca. 7. Jh. (Südindien)
- Singhalesische Schrift – ca. 700 (Sri Lanka)
- Dhives Akuru – ca. 1100 (Malediven)
- Malayalam-Schrift – ca. 1100 (Südindien)
- Singhalesische Schrift – ca. 700 (Sri Lanka)
- Tamil-Schrift – ca. 700 (Indien, Sri Lanka)
- Saurashtra – ca. 1900 (Südindien)
- Vatteluttu-Schrift – ca. 400 n. Chr. (Südindien)
- Kadamba-Schrift – ca. 450 n. Chr. (Südindien)
- Pyu Schrift – 5. Jh. (Burma)
- Kannada-Schrift – ca. 1500 (Südindien)
- Telugu-Schrift – ca. 1500 (Südindien)
Textbeispiele
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Formenvielfalt der indischen Schriften wird deutlich, wenn man denselben Satz (hier ein Satz in Sanskrit) in verschiedenen Schriften wiedergibt:
Schriftliche Überlieferung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das indische Klima ist der Konservierung alter Schriften und Texte nicht förderlich; so bleiben den landestypischen Schreibmaterialien, Palmblättern und Baumrinden, nur wenige Jahre, bevor sie verfallen. Überliefert sind daher hauptsächlich Schriften auf Münzen, Felsen und Bauwerken; die ältesten Manuskripte setzen erst mit dem 11. Jahrhundert n. Chr. ein. Traditionell gilt die schriftliche Überlieferung in Indien gegenüber der mündlichen als die unsicherere.
Die verwendeten Schreibmaterialien haben teilweise die Form der Zeichen beeinflusst.
Besonderheiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Schriften des indischen Schriftenkreises gehören (zusammen mit wenigen anderen, zum Beispiel der äthiopischen Schrift) zu einem als Abugida oder Alphasyllabar genannten Schrifttyp, (α) der zwischen Buchstabenschrift und Silbenschrift steht:
- Vokale werden nur im Silbenanlaut mit Buchstaben – soweit vorhanden – geschrieben. (β)
- Konsonanten werden mit Buchstaben geschrieben. Ein Konsonantenbuchstabe steht jedoch für mehr als nur den jeweiligen Konsonanten, denn in der Regel folgt diesem ein inhärenter Vokal, der nicht geschrieben wird. Fast alle Schriften haben nur einen inhärenten Vokal, meist das „kurze a“.
- Die übrigen Vokale werden mit diakritischen Zeichen um den vorangehenden Buchstaben herum geschrieben. Deren Verwendung ist jedoch zwingend erforderlich (im Gegensatz zur Vokalisation von Konsonantenschriften).
- Die Vokallosigkeit eines Buchstabens wird meist auch durch ein diakritisches Zeichen, „Virama“ oder „Halant“ genannt, angezeigt. In einigen neuindoarischen Sprachen (wie Hindi und Bengalisch) wird der Halant nicht konsequent verwendet. Darüber hinaus kommt im Panjabi der Halant gar nicht vor, so dass nicht zu erkennen ist, ob nach einem Konsonanten der inhärente Vokal zu sprechen ist oder nicht.
- Aufeinanderfolgende vokallose Konsonanten werden häufig zu Ligaturen zusammengezogen.
Ein Buchstabe, es gibt keine Unterscheidung zwischen Groß- und Kleinschreibung, bildet mit oder auch ohne diakritische Zeichen eine Zeichengruppe, die den entsprechenden Silbenkörper symbolisiert und in Indien „Akshara“ genannt wird. Solche Zeichengruppen werden linear in Schreibrichtung geschrieben, fast alle Abugidas sind rechtsläufig.
Transliteration indischer Schriften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die ältesten Sanskrit-Texte wurden zunächst mündlich weitergegeben. Erst in der Zeit um 400–300 v. Chr. wurden Kharoshti und Brahmi zur Darstellung des gesprochenen Wortes entwickelt. Obwohl diese sich zur Darstellung des Mittelindoarischen (MIA) eigneten, reichten sie nicht für die phonetische Darstellung des klassischen Sanskrits aus und wurden später diesbezüglich modifiziert. Obwohl Sanskrit in allen Abkömmlingen der Brahmi-Schrift dargestellt werden kann und wird, so hat sich doch Devanagari als Schriftform für die Darstellung des Sanskrit durchgesetzt. Sprachforscher des 19. Jahrhunderts haben Sanskrit in Devanagari wiedergeben lassen. Die von Friedrich Max Müller herausgegebene editio princeps des Rigveda war in Devanagari, ein außergewöhnlicher Akt zur damaligen Zeit, da die Typographen erst den Satz herstellen mussten.

Seit dieser Zeit sahen Philologen die Notwendigkeit, Sanskrit auch mit lateinischen Buchstaben darzustellen. 1816 entwickelte Franz Bopp ein erstes Transliterationsschema, in dem die Vokallänge durch einen Zirkumflex (â, î, û) und die Aspiration durch einen spiritus asper (z. B. bʽ) dargestellt wurde. Die Sibilanten ṣ and ś wurden durch spiritus asper und lenis (sʽ, sʼ) dargestellt. Monier-Williams verwendete in seinem 1899 aufgelegten Wörterbuch ṡ und sh für ś and ṣ. Theodor Aufrecht veröffentlichte in seiner 1877 erschienenen Ausgabe das Rigveda in latinisiertem Sanskrit. Arthur Anthony Macdonell kam ebenfalls in seiner Grammatik des Vedischen (1917) ohne Devanagari aus. Fachpublikationen der Gegenwart nutzen zur Transliteration IAST und NLAC.
Schemata unter Verwendung von Diakritika
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]IAST
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Internationale Alphabet der Sanskrit-Transliteration (IAST) stellt den gebräuchlichsten akademischen Standard für die Darstellung des Sanskrit in lateinischen Buchstaben dar.
NLAC
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die National Library at Calcutta (NLAC) hat auf Basis des IAST einen Transliterationsstandard entwickelt, der für alle Indischen Schriften gilt, nicht nur für Sanskrit.
ISO 15919
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]ISO 15919 stellt einen Transliterationsstandard für alle Sprachen Südasiens dar. IAST und NLAC sind Subsets von ISO 159191/2001. ISO 15919 definiert die lateinische Darstellung in Unicode.
ISO-15919-Transliterationen sind plattformunabhängig und können somit auf allen Betriebssystemen identisch dargestellt werden. ISO 15919 verwendet Diakritika, um Grapheme der Brahmischriften darzustellen.
ASCII-Schemata ohne Diakritika
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]ASCII-Transliteration trifft man häufig im Internet an. Alle ASCII-Schemata sind nichtoffizielle Translisterationskonventionen.
Harvard-Kyoto
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Harvard-Kyoto-Schema ist ein Transliterationssystem, welches ASCII für die Darstellung von indischen Schriften wie Devanagari nutzt. Es nutzt keine Diakritika und wird nicht im akademischen Umfeld genutzt. Häufigstes Anwendungsgebiet: E-Mail und Internet.
ITRANS
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die „Indian languages TRANSliteration“ (ITRANS) ist ebenfalls ein ASCII-Schema für indische Schriften (etwa Devanāgarī). Entwickelt wurde es von Avinash Chopde. Es ist umfangreicher als Harvard-Kyoto, mit dem es zum Großteil identisch ist. Durch die Verbreitung von Unicode ist es ebenso wie andere ASCII-Schemata obsolet geworden, ist aber im Internet noch weit verbreitet. Tabellen s. International Alphabet of Sanskrit Transliteration.
Vergleichstabellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Alphabetische Anordnung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die alphabetische Anordnung der Buchstaben ist streng phonetisch und im Wesentlichen für alle Sprachen gleich. Diese systematische Darstellungsweise zeugt von den hervorragenden sprachwissenschaftlichen Fähigkeiten der „alten Inder“, die schon vor mehr als 2300 Jahren Phonetik und Phonologie ihrer Sprache klar erkannten und systematisch genau beschrieben.
Die alphabetische Anordnung indischer Schriften wird hier zunächst für die im Sanskrit verwendeten Zeichen in lateinischer Transliteration (nach ISO 15919) beschrieben. Dabei wird auf Angaben zur Aussprache verzichtet, da diese von Sprache zu Sprache variiert.
Die Buchstaben sind nach Vokalen und Konsonanten geordnet:
- Vokalbuchstaben stehen für
- Monophthonge (Einzellaute) (γ) und Liquida (Fließlaute) (δ)
- „Diphthonge“ (Doppellaute) (γ)
- Zusatzlaute zur Nasalierung bzw. Behauchung des vorhergehenden Vokals
- (γ)Nach glottalem Verschlusslaut.
- (δ)Silbische Konsonanten.
- Konsonantenbuchstaben stehen für
- Plosive (Verschlusslaute) und Nasale
- Approximanten („Halbvokale“)
- Frikative (Reibelaute)
Von den altindischen Grammatikern wurden die Artikulationsorte (वर्ग varga) wie folgt bezeichnet:
- velar: कण्ठ्य kaṇṭhya (von कण्ठ kaṇṭha, deutsch ‚Kehle, Hals‘)
- palatal: तालव्य tālavya (von तालु tālu, deutsch ‚Gaumen‘)
- retroflex: मूर्धन्य mūrdhanya (von मूर्धन् mūrdhan, deutsch ‚Gipfel, höchste Stelle des Gaumens‘; auch: ‚Stirn Schädel, Kopf, Spitze‘)
- dental: दन्त्य dantya (von दन्त danta, deutsch ‚Zahn‘)
- labial: ओष्ठ्य oṣṭhya (von ओष्ठ oṣṭha, deutsch ‚Lippe‘)
Auch heute noch begegnet man in der Indologie häufig den veralteten, ungenauen Bezeichnungen „guttural“ (von lateinisch guttur ‚Kehle‘) für velar oder „kakuminal“ (von lat. cacumen ‚Gipfel, höchster Punkt‘) und „zerebral“ (von lat. cerebrum ‚Gehirn‘) für retroflex.
Vokale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Vokalbuchstaben werden meist als „Vokale“ bezeichnet, obwohl sie auch die silbischen Konsonanten [], „vokalisches r“, und [], „vokalisches l“, umfassen.
Bei Monophthongen und silbischen Konsonanten wird zwischen kurzen und langen Lauten unterschieden. Allerdings stellt das lange „vokalische l“ nur ein Konstrukt dar, das von den altindischen Grammatikern aus Symmetriegründen postuliert wurde und eigentlich nicht vorkommt.
| Artikulation | Art | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| einfach | fließend | ||||
| kurz | lang | kurz | lang | ||
| Ort | „velar“ | a | ā | ||
| „palatal“ | i | ī | |||
| „labial“ | u | ū | |||
| retroflex | r̥ | r̥̄ | |||
| dental | l̥ | (l̥̄) | |||
Die Monophthonge ‹e› und ‹o› sind im Sanskrit immer lang und werden als „Diphthonge“ bezeichnet und eingeordnet, da sie Diphthonge waren und sich lautlich zu Monophthongen verändert haben (Monophthongierung): ai → ē, āi → ai, au → ō, āu → au.
| Artikulation | Art | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| zusammengesetzt | |||||
| einzeln | doppelt | ||||
| lang | lang | ||||
| Ort | „velar-palatal“ | ē | ai | ||
| „velar-labial“ | ō | au | |||
Im Alphabet folgen Zusatzzeichen, die als Diakritika nach „Vokalen“ – dem Silbenkern – verwendet werden. Sie werden daher ebenfalls bei den Vokalbuchstaben aufgezählt:
| Artikulation | Art | |
|---|---|---|
| behaucht | nasaliert | |
| Anusvara | ṁ | |
| Visarga | ḥ | |
Anusvara bezeichnet eine Nasalierung und Visarga eine Behauchung des vorhergehenden „Vokals“.
Konsonanten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Den Vokalbuchstaben folgen die Konsonantenbuchstaben für Plosive (Verschlusslaute) und Nasale. Diese lassen sich in einer Tabelle mit fünf Zeilen und fünf Spalten alphabetisch korrekt anordnen. Die Zeilen entsprechen dabei dem Artikulationsort in der Reihenfolge velar – palatal – retroflex – dental – labial (das heißt in Richtung des Luftstroms beim Sprechen). Die Spalten entsprechen der Artikulationsart: zuerst plosiv, weiter unterteilt nach den Merkmalen stimmlos/stimmhaft sowie unbehaucht/behaucht, und zuletzt nasal.
| Artikulation | Art | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| plosiv | nasal | |||||
| stimmlos | stimmhaft | stimmhaft | ||||
| unbehaucht | behaucht | unbehaucht | behaucht | |||
| Ort | velar | k | kh | g | gh | ṅ |
| palatal | c | ch | j | jh | ñ | |
| retroflex | ṭ | ṭh | ḍ | ḍh | ṇ | |
| dental | t | th | d | dh | n | |
| labial | p | ph | b | bh | m | |
Es folgt die Reihe der Approximanten, auch als „Halbvokale“ bezeichnet:
| Artikulation | Ort | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| palatal | retroflex | dental | labial | ||
| Art | approximant | y | r | l | v |
Aus heutiger Sicht sind nur ‹y› und ‹v› Halbvokale, denn man kann sie auch als nichtsilbisches Vorkommen der Vokale [] und [] ansehen. Wenn man silbische ‹r› und ‹l› als „Vokale“ bezeichnet, macht es Sinn, deren nichtsilbisches Vorkommen als „Halbvokale“ zu bezeichnen. In der modernen Phonetik zählen ‹r› und ‹l› jedoch immer zu den Konsonanten, unabhängig davon, ob sie silbisch oder nichtsilbisch auftreten.
Schließlich die Frikative:
| Artikulation | Ort | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| „velar“ | palatal | retroflex | dental | |||
| Art | frikativ | stimmlos | ś | ṣ | s | |
| stimmhaft | h | |||||
Devanagari als typologisches Beispiel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Alphabet
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als Beispiel für ein indisches Alphabet sei hier die Devanagari-Schrift mit den für Sanskrit verwendeten Zeichen und deren wahrscheinlicher Aussprache nach dem Internationalen Phonetischen Alphabet (IPA) gezeigt (Der den Konsonanten inhärente Vokal wurde hier weggelassen.):
Für das im Vedischen als Allophon von /ɖ/ auftretende retroflexe [ɭ] gibt es zusätzlich ळ. Dieses wird auch in neuindischen Sprachen (beispielsweise Marathi) verwendet.
Vokaldiakritika
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Verwendung der Vokaldiakritika wird hier am Beispiel des Konsonanten ‹k› gezeigt:
Sonderfall /r/
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Sonderstellung des r als „Vokal“ und „Halbvokal“ kommt in den indischen Schriften zum Ausdruck. Sie wird hier für Devanagari beschrieben.
Silbisches /r/ wird graphisch wie ein Vokal behandelt. Das bedeutet, dass es nur im Silbenanlaut voll geschrieben wird. Nach Konsonant steht nur das zugehörige Diakritikum.
Nicht silbisches /r/ wird nur am Wortanfang und intervokalisch in seiner „Vollform“ geschrieben.
In Konsonantenclustern werden Diakritika verwendet, die je nach Position des r in der Konsonantengruppe eine unterschiedliche Form haben.‹r›als erste Komponente der Gruppe wird an das Silbenende verschoben und dort als Häkchen über den Vokal gesetzt. Diese Form wird Reph genannt.
‹r›als letzte Komponente der Gruppe wird als kleiner Schrägstrich oder Winkel unter den vorhergehenden Konsonanten gesetzt:
In einigen indischen Schriften gelten solche Positionsvarianten auch für die übrigen „Halbvokale“. Beispiele für Devanagari (V = Vokal; C = Konsonant; Vr = Vokal mit Reph; Cr = Konsonant mit darunter gesetztem r-Diakritikum):
Ligaturen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gruppen von 2 und mehr Konsonanten, von denen nur der letzte von einem Vokal (oder Diphthong) gefolgt ist, werden zu einer Ligatur verschmolzen. Deren Komponenten sind meist noch deutlich zu erkennen. In Sonderfällen können auch völlig neue Zeichen gebildet werden.
Die folgenden Beispiele stellen nur eine kleine Auswahl dar. In der Devanagari-Schrift kommen einige hundert Ligaturen vor.
Einfache Devanagari-Ligaturen
Komplexe Devanagari-Ligaturen
Schreibsilben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Zeichenfolge „Konsonant(encluster) + Vokal ± Vokalzusatzzeichen“ wird in den indischen Schriften zu einer Schreibsilbe (Akshara) zusammengefasst. Diese muss nicht identisch mit einer Sprechsilbe sein. Morphemgrenzen können auch mitten in einem graphischen Konsonantencluster liegen. (Siehe auch unter Inhärenter Vokal)
Linearität
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Schriften des indischen Schriftenkreises verlaufen zwar als Ganzes betrachtet linear. Innerhalb einer Schreibsilbe ist jedoch sehr häufig eine Nichtlinearität festzustellen.
Als Beispiel sei das Hindi-Wort für „Student“ angeführt: In der ersten Schreibsilbe steht das Diakritikum für das kurze‹i›vor dem zugehörigen Konsonanten‹v›. Die zweite Silbe enthält die Ligatur‹dy›, deren Komponenten übereinander stehen. Das am Anfang der letzten Silbe gesprochene r erscheint erst am Silbenende über dem Vokal als „Reph“.
Diese Besonderheiten der indischen Schriften machen für sprachwissenschaftliche Untersuchungen und für didaktische Zwecke eine Transliteration in eine konsequent lineare Schrift, wie zum Beispiel die lateinische, zwingend erforderlich.
Anpassung an Einzelsprachen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Da die meisten modernen indischen Sprachen mehr als die oben für Sanskrit beschriebenen Laute enthalten, mussten deren Alphabete um einige Zeichen erweitert werden. Im Falle des Tamil wurde die Anzahl der Zeichen erheblich reduziert, da stimmhafte Plosive nur als Allophone der stimmlosen vorkommen und da es im Tamil keine Aspiration gibt.
Zusätzliche Zeichen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In nordindischen Schriften dienen häufig Diakritika zur Erweiterung des Zeichensatzes, wie ein untergesetzter Punkt („Nukta“) oder Strich. Einige Zeichen wurden auch neu gebildet.
Es folgen Beispiele für Devanagari, Tamil, Kannada, Singhalesisch und Tibetisch:
Devanagari
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Rajasthani werden die Vollformen von ‹e› und ‹ai› geschrieben, indem man अ als „Vokalträger“ benutzt und die Vokaldiakritika damit verbindet:
Diese Schreibweise wurde eine Zeit lang auch für das Hindi propagiert, um das Erlernen der Schrift zu erleichtern und damit die Verbreitung von Hindi als Nationalsprache zu fördern:
Dravidische Sprachen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hier muss zwischen langem und kurzem e und o unterschieden werden. Ursprünglich wurde dies in den südindischen Schriften graphisch nicht bezeichnet. Zusätzliche Zeichen für ‹ē› und ‹ō› wurden vom italienischen Missionar Constanzo Beschi (1680–1774) eingeführt.
Bei deren lateinischer Transliteration ist zu beachten, dass in dravidischen Schriften ‹e› und ‹o› immer für den kurzen Vokal, ‹ē› und ‹ō› für den langen stehen, während die entsprechenden Devanagari-Zeichen als ‹ĕ› und ‹ŏ› den kurzen Vokal, ‹e› und ‹o› immer den langen bezeichnen:
Zur Wiedergabe spezifisch dravidischer Laute (retroflexer Approximant, alveolares r und n) enthalten die südindischen Alphabete zusätzliche Zeichen. Im Tamil wird außerdem ein Diakritikum für [f] und [z] verwendet:
Kannada besitzt ein eigenes Diakritikum für Vokallänge. Dieses erscheint als letztes Zeichen einer Schreibsilbe:
Singhalesisch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Es wurden Zeichen für weitere Vokale, für pränasalierte Konsonanten und [f] geschaffen.
Die Zeichen für die pränasalierten Konsonanten entstanden aus den zugehörigen nicht pränasalierten durch Hinzufügen eines zusätzlichen Bogens als Diakritikum.
Tibetisch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auch bei der Entwicklung einer Schrift für das Tibetische aus einer indischen Schrift fehlten einige Zeichen für tibetische Laute. Die Zeichen für die dentalen Affrikaten wurden aus den Palatalen durch Hinzufügen eines Diakritikums gebildet. Andere Zeichen wurden neu geschaffen oder durch Spiegelung vorhandener Zeichen erhalten.
Später wurden zum Transliterieren von Sanskrit-Texten weitere Zeichen, insbesondere zur Darstellung der Retroflexen und der aspirierten stimmhaften Plosive, eingeführt.
Khmer
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Um die sehr hohe Anzahl von Vokalen (mit Diphthongen mehr als 30) des Khmer mit der Khmer-Schrift darstellen zu können, wurden zusätzliche Vokalzeichen geschaffen. Um deren Anzahl gering zu halten, unterteilte man die Konsonanten in zwei Serien (Klassen): Serie 1 enthält im Wesentlichen die Buchstaben, die in indischen Alphabeten stimmlose Konsonanten darstellen, und Serie 2 alle anderen Konsonantenbuchstaben. Dabei bezeichnet ein und dasselbe Vokalzeichen einen unterschiedlichen Vokal, je nachdem, ob es mit einem Konsonantenbuchstaben der Serie 1 oder 2 verbunden ist. Die Khmer-Schrift enthält darüber hinaus noch Diakritika, mit deren Hilfe ein bei einem Buchstaben der Serie 1 stehendes Vokalzeichen die zur Serie 2 gehörige Aussprache erhält und umgekehrt. Dadurch ließ sich die Zahl der erforderlichen Vokalzeichen halbieren.
Birmanisch, Laotisch, Thai
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Da die birmanische, laotische und thailändische Sprache Tonsprachen sind, wurden bei deren Schriften Tonmarken eingeführt.
Die thailändische und die sehr ähnliche laotische Schrift wurden außerdem noch um weitere Konsonantenbuchstaben und Vokalzeichen erweitert. Beide Schriften gehen – beeinflusst von der alten Mon-Schrift – auf die alte Khmer-Schrift von Angkor zurück. Die Konsonantenbuchstaben werden in drei Klassen eingeteilt, die neben mehreren anderen Kriterien für die Betonung einer geschriebenen Silbe von Bedeutung sind. Die dritte dieser Klassen entspricht weitestgehend Serie 2 der Khmer-Schrift, die zwei anderen zusammen (ohne die zusätzlichen Buchstaben) Serie 1. Die Anzahl der Konsonantenbuchstaben der laotischen Schrift wurde im 20. Jahrhundert bei einer umfassenden Rechtschreibreform auf ein Minimum reduziert.
Vokaldiakritika in indischen Schriften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Brahmi-Schrift wurden die Vokaldiakritika als kleine an den Konsonanten angefügte Striche dargestellt. Mit der Weiterentwicklung der Schriften änderten die Diakritika ihre Form, Größe und Position. Teilweise wurden sie auch aufgespalten. Die folgende Tabelle zeigt eine Auswahl:
Silbische Konsonanten und Sonderformen von r
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In den neuindoarischen Sprachen gibt es keine silbischen Konsonanten mehr. Die historische Schreibweise des silbischen r ist zwar erhalten geblieben, die Aussprache hat sich aber in einigen Sprachen zu [ri], in anderen zu [ru] gewandelt.
Die Gurmukhi-Schrift ist hier am konsequentesten: Sie hat weder ein Zeichen für silbisches r noch für Reph.
In den dravidischen Sprachen (genauer gesagt: im dravidischen Wortgut dieser Sprachen) gibt es keine silbischen Konsonanten. Die Tamil-Schrift besitzt daher kein Zeichen für silbisches r. Auch für die anderen Vorkommen von r besitzt Tamil keine Sonderzeichen.
Kannada, Malayalam und Telugu haben Zeichen für alle silbischen Konsonanten des Sanskrit. Kannada hat auch noch Reph. Dieses wird aber in der reformierten Schreibweise von Malayalam und Telugu nicht mehr benutzt.
Ligaturen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das oben für Devanagari dargestellte Prinzip gilt im Wesentlichen für alle nordindischen Schriften, das heißt, hier behält in vielen Fällen der letzte Konsonant einer Ligatur seine ursprüngliche Form. In den Schriften für die südindischen (dravidischen) Sprachen Kannada und Telugu wird jeweils der erste Konsonant voll geschrieben, die nächsten werden in verkleinerter und etwas abgewandelter Form darunter oder dahinter angefügt. Der zugehörige Vokal verschmilzt mit dem voll geschriebenen Konsonanten zu einer Ligatur.
Beispiel Kannada:
Gurmukhi (Panjabi), das moderne Singhalesisch und Tamil verwenden fast keine Ligaturen mehr.
Im Tibetischen, Birmanischen, Khmer und Laotischen werden Konsonantengruppen analog Kannada und Telugu durch Untereinanderschreiben dargestellt.
Orthographie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Indoarische Sprachen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Devanagari-Schrift gibt den Phonembestand des Sanskrit recht gut wieder. Die Phonemsysteme der neuindoarischen Sprachen haben sich unterschiedlich weiterentwickelt, ohne dass die Schreibweise der Wörter der neuen Aussprache nennenswert angepasst wurde. Daraus ergaben sich historische Orthographien.
Am auffälligsten sind die Veränderungen in den östlichen neuindoarischen Sprachen Assamesisch, Bengali und Oriya. Wesentliche Veränderungen sind hier:
- Der inhärente Vokal wird hier als [ɔ] oder [ɒ] gesprochen.
- Die Sibilanten ś ṣ s sind zusammengefallen, und zwar im Bengali zu [ʃ], im Oriya zu [s], im Assamesischen zu [x].
- Im Assamesischen sind die Palatalen zu [s] geworden und die Retroflexe sind mit den Dentalen zusammengefallen.
- Die Bestandteile einiger Konsonantencluster sind einander phonetisch angeglichen worden.
In den neuindoarischen Sprachen, außer Oriya und Singhalesisch, wird der inhärente Vokal oft nicht gesprochen, ohne dass dies in der Schrift durch Halant oder Ligaturbildung dargestellt wird. Beispiel Alexis:
Der stumme inhärente Vokal kommt beim Rezitieren von Gedichten und beim Singen wieder zum Vorschein. (Analoges kann man beim „stummen e“ des Französischen beobachten.)
In der Gurmukhi-Schrift (Panjabi) kommt Halant überhaupt nicht vor, so dass man nicht erkennen kann, ob nach einem Konsonanten der inhärente Vokal zu sprechen ist oder nicht.
Eine weitere Besonderheit des Panjabi ist, dass die aspirierten stimmhaften Plosive Aspiration und Stimmhaftigkeit verloren haben. Die den Wortakzent tragende Silbe eines diese Zeichen enthaltenden Wortes erhält dafür einen Hoch- oder Tiefton. Die aspirierten stimmhaften Plosive werden weiterhin geschrieben, so dass man erkennt, ob ein Wort einen Ton besitzt.
Dravidische Sprachen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei der Tamil-Schrift wurde die Anzahl der Zeichen drastisch vermindert, da die Sprache keine aspirierten Laute besitzt und da bei den Plosiven Stimmhaftigkeit nur allophonisch vorkommt. Man vergleiche das Tamil-Alphabet mit dem Devanagari-Alphabet:
Die Laute der vorletzten Reihe (außer ள) kommen nur in dravidischen Sprachen vor. Die der letzten Reihe sind aus der Grantha-Schrift entlehnt, um wenigstens in einigen Fällen Sanskrit-Wörter korrekt schreiben zu können. Meist sind diese jedoch in Tamil-Schrift kaum als solche wiederzuerkennen; allerdings entspricht dies der Aussprache im modernen Tamil.
Will man Sanskrit phonetisch korrekt in die Tamil-Schrift transliterieren, so kann man sich zweier Methoden bedienen:
- Verwenden von diakritischen Ziffern für die im Tamil fehlenden Plosive,
- Importieren der fehlenden Zeichen aus der Grantha-Schrift.
Die Vermischung von Sanskrit mit einer Dravidischen Sprache wird „Manipravala“ genannt. Sie ist vergleichbar mit der „Denglisch“ genannten Vermischung von Deutsch und Englisch. Wie im Denglischen, wo ein englisches Wort eine deutsche Endung annehmen kann (z. B. „download-en“), kann auch in Manipravala ein Sanskritwort eine Tamil-Endung erhalten. Dabei kann man in älteren Tamil-Texten oder bei einzelnen besonders stark am Sanskrit orientierten modernen Schreibern beobachten, dass die Sanskrit-Komponente in Grantha-Schrift, die Tamil-Endung in Tamil-Schrift geschrieben wird (auch bei „downloaden“ bleibt ja die englische Orthographie von „download“ erhalten):
Die übrigen dravidischen Schriften enthalten alle für das Schreiben von Sanskrit-Wörtern erforderlichen Zeichen. Es besteht jedoch ein Unterschied in den Orthographien von Malayalam einerseits und Kannada/Telugu andererseits.
Im Malayalam wird für dravidische Wörter analog dem Tamil die dem dravidischen Phonemsystem entsprechende Schreibung verwendet, während für Sanskrit-Wörter die Sanskrit-Orthographie gilt.
Im Kannada und im Telugu werden alle Wörter, unabhängig von ihrer Herkunft, phonetisch geschrieben.
Tibetisch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Tibetische Orthographie ist extrem historisch. Sie gibt den Sprachstand von vor mehr als 1000 Jahren wieder. So werden bezogen auf die moderne Sprache große Mengen „überflüssiger“ Buchstaben mitgeschleppt, die aus längst aus der Sprache verschwundenen Morphemen stammen. Die folgenden vier Wörter werden alle [ɡʲuɡ] ausgesprochen! Es sind die Stammformen des Verbs „laufen“.
Das Nachschlagen tibetischer Wörter im Wörterbuch sucht an Kompliziertheit seinesgleichen. Die vorstehenden vier Wörter sind unter „g“ nachzuschlagen, wobei für die mit dem „g“ verbundenen Konsonanten Zusatzregeln zu beachten sind.
Tabellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hier sind die Zeichen verschiedener indischer Schriften aufgeführt. Die Umschrift ist als Umschrift der National Library at Calcutta und Aussprache durch das Internationale Phonetische Alphabet (IPA) dargestellt. Diese Liste ist unvollständig, da einige Zeichen nicht dargestellt sind.
Hinweis: in einigen der dargestellten Sprachen ist die Aussprache der Aspirata identisch mit den nicht aspirierten Lauten.
Konsonanten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| NLAC | IPA | Devanagari | Bengalisch | Gurmukhi | Gujarati | Oriya | Tamil | Telugu | Kannada | Malayalam | Sinhala | Tibetisch |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| k | k | क | ক | ਕ | ક | କ | க | క | ಕ | ക | ක | ཀ |
| kh | ख | খ | ਖ | ખ | ଖ | – | ఖ | ಖ | ഖ | ඛ | ཁ | |
| g | ɡ | ग | গ | ਗ | ગ | ଗ | – | గ | ಗ | ഗ | ග | ག |
| gh | घ | ঘ | ਘ | ઘ | ଘ | – | ఘ | ಘ | ഘ | ඝ | - | |
| ṅ | ŋ | ङ | ঙ | ਙ | ઙ | ଙ | ங | ఙ | ಙ | ങ | ඞ | ང |
| c | c | च | চ | ਚ | ચ | ଚ | ச | చ | ಚ | ച | ච | ཅ |
| ch | छ | ছ | ਛ | છ | ଛ | – | ఛ | ಛ | ഛ | ඡ | ཆ | |
| j | ɟ | ज | জ | ਜ | જ | ଜ | ஜ | జ | ಜ | ജ | ජ | ཇ |
| jh | झ | ঝ | ਝ | ઝ | ଝ | – | ఝ | ಝ | ഝ | ඣ | - | |
| ñ | ɲ | ञ | ঞ | ਞ | ઞ | ଞ | ஞ | ఞ | ಞ | ഞ | ඤ | ཉ |
| ṭ | ʈ | ट | ট | ਟ | ટ | ଟ | ட | ట | ಟ | ട | ට | ཊ |
| ṭh | ठ | ঠ | ਠ | ઠ | ଠ | – | ఠ | ಠ | ഠ | ඨ | ཋ | |
| ḍ | ɖ | ड | ড | ਡ | ડ | ଡ | – | డ | ಡ | ഡ | ඩ | ཌ |
| ḍh | ढ | ঢ | ਢ | ઢ | ଢ | – | ఢ | ಢ | ഢ | ඪ | - | |
| ṇ | ɳ | ण | ণ | ਣ | ણ | ଣ | ண | ణ | ಣ | ണ | ණ | ཎ |
| t | त | ত | ਤ | ત | ତ | – | త | ತ | ത | ත | ཏ | |
| th | थ | থ | ਥ | થ | ଥ | த | థ | ಥ | ഥ | ථ | ཐ | |
| d | द | দ | ਦ | દ | ଦ | – | ద | ದ | ദ | ද | ད | |
| dh | ध | ধ | ਧ | ધ | ଧ | – | ధ | ಧ | ധ | ධ | - | |
| n | n | न | ন | ਨ | ન | ନ | ந | న | ನ | ന | න | ན |
| ṉ | n | ऩ | – | – | – | – | ன | – | – | – | - | - |
| p | p | प | প | ਪ | પ | ପ | ப | ప | ಪ | പ | ප | པ |
| ph | फ | ফ | ਫ | ફ | ଫ | – | ఫ | ಫ | ഫ | ඵ | ཕ | |
| b | b | ब | ব | ਬ | બ | ବ | – | బ | ಬ | ബ | බ | བ |
| bh | भ | ভ | ਭ | ભ | ଭ | – | భ | ಭ | ഭ | භ | - | |
| m | m | म | ম | ਮ | મ | ମ | ம | మ | ಮ | മ | ම | མ |
| y | j | य | য | ਯ | ય | ଯ | ய | య | ಯ | യ | ය | ཡ |
| r | r | र | র/ৰ | ਰ | ર | ର | ர | ర | ರ | ര | ර | ར |
| ṟ | r | ऱ | – | – | – | – | ற | ఱ | ಱ | റ | – | - |
| l | l | ल | ল | ਲ | લ | ଲ | ல | ల | ಲ | ല | ල | ལ |
| ḷ | ɭ | ळ | – | ਲ਼ | ળ | ଳ | ள | ళ | ಳ | ള | ළ | - |
| ḻ | ɻ | ऴ | – | – | – | – | ழ | ఴ | ೞ | ഴ | – | - |
| v | ʋ | व | ৱ | ਵ | વ | – | வ | వ | ವ | വ | ව | ཝ |
| ś | ɕ | श | শ | ਸ਼ | શ | ଶ | ஶ | శ | ಶ | ശ | ශ | ཤ |
| ṣ | ʂ | ष | ষ | – | ષ | ଷ | ஷ | ష | ಷ | ഷ | ෂ | ཥ |
| s | s | स | স | ਸ | સ | ସ | ஸ | స | ಸ | സ | ස | ས |
| h | h | ह | হ | ਹ | હ | ହ | ஹ | హ | ಹ | ഹ | හ | ཧ |
Vokale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| NLAC | IPA | Devanagari | Bengalisch | Gurmukhi | Gujarati | Oriya | Tamil | Telugu | Kannada | Malayalam | Sinhala | Tibetisch | |||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| a | ə | अ | – | অ | – | ਅ | – | અ | – | ଅ | – | அ | க | అ | – | ಅ | – | അ | ക | අ | ක | ཨ | - |
| ā | आ | का | আ | কা | ਆ | ਕਾ | આ | કા | ଆ | କା | ஆ | கா | ఆ | కా | ಆ | ಕಾ | ആ | കാ | ආ | කා | – | - | |
| æ | ඇ | කැ | |||||||||||||||||||||
| ǣ | ඈ | කෑ | |||||||||||||||||||||
| i | i | इ | कि | ই | কি | ਇ | ਕਿ | ઇ | કિ | ଇ | କି | இ | கி | ఇ | కి | ಇ | ಕಿ | ഇ | കി | ඉ | කි | ཨི | ཀི |
| ī | iː | ई | की | ঈ | কী | ਈ | ਕੀ | ઈ | કી | ଈ | କୀ | ஈ | கீ | ఈ | కీ | ಈ | ಕೀ | ഈ | കീ | ඊ | කී | – | - |
| u | u | उ | कु | উ | কু | ਉ | ਕੁ | ઉ | કુ | ଉ | କୁ | உ | கு | ఉ | కు | ಉ | ಕು | ഉ | കു | උ | කු | ཨུ | ཀུ |
| ū | uː | ऊ | कू | ঊ | কূ | ਊ | ਕੂ | ઊ | કૂ | ଊ | କୂ | ஊ | கூ | ఊ | కూ | ಊ | ಕೂ | ഊ | കൂ | ඌ | කූ | – | - |
| e | e | ऎ | कॆ | – | – | – | – | – | – | – | – | எ | கெ | ఎ | కె | ಎ | ಕೆ | എ | കെ | එ | කෙ | – | - |
| ē | eː | ए | के | এ | কে | ਏ | ਕੇ | એ | કે | ଏ | କେ | ஏ | கே | ఏ | కే | ಏ | ಕೇ | ഏ | കേ | ඒ | කේ | ཨེ | ཀེ |
| ai | ai | ऐ | कै | ঐ | কৈ | ਐ | ਕੈ | ઐ | કૈ | ଐ | କୈ | ஐ | கை | ఐ | కై | ಐ | ಕೈ | ഐ | കൈ | ඓ | කෛ | – | - |
| o | o | ऒ | कॊ | – | – | – | – | – | – | – | – | ஒ | கொ | ఒ | కొ | ಒ | ಕೊ | ഒ | കൊ | ඔ | කො | – | - |
| ō | oː | ओ | को | ও | কো | ਓ | ਕੋ | ઓ | કો | ଓ | କୋ | ஓ | கோ | ఓ | కో | ಓ | ಕೋ | ഓ | കോ | ඕ | කෝ | ཨོ | ཀོ |
| au | au | औ | कौ | ঔ | কৌ | ਔ | ਕੌ | ઔ | કૌ | ଔ | କୌ | ஔ | கௌ | ఔ | కౌ | ಔ | ಕೌ | ഔ | കൗ | ඖ | කෞ | – | - |
| ṛ | ऋ | कृ | ঋ | কৃ | – | – | ઋ | કૃ | ଋ | କୃ | – | – | ఋ | కృ | ಋ | ಕೃ | ഋ | കൃ | ඍ | කෘ | – | - | |
| ṝ | ॠ | कॄ | ৠ | কৄ | – | – | ૠ | કૄ | ୠ | – | – | – | ౠ | – | ೠ | – | ൠ | കൄ | ඎ | කෲ | – | - | |
| ḷ | ऌ | कॢ | ঌ | কৢ | – | – | – | – | ଌ | – | – | – | ఌ | కౄ | ಌ | – | ഌ | ക്ഌ | (ඏ) (γ) | – | – | - | |
| ḹ | ॡ | कॣ | ৡ | কৣ | - | – | – | – | ୡ | – | – | – | ౡ | – | ೡ | – | ൡ | ക്ൡ | (ඐ) | – | – | - | |
Zahlzeichen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Zahl | Devanagari | Bengalisch | Gurmukhi | Gujarati | Tamil | Telugu | Kannada | Malayalam |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 0 | ० | ০ | ੦ | ૦ | ೦ | ౦ | ೦ | ൦ |
| 1 | १ | ১ | ੧ | ૧ | ௧ | ౧ | ೧ | ൧ |
| 2 | २ | ২ | ੨ | ૨ | ௨ | ౨ | ೨ | ൨ |
| 3 | ३ | ৩ | ੩ | ૩ | ௩ | ౩ | ೩ | ൩ |
| 4 | ४ | ৪ | ੪ | ૪ | ௪ | ౪ | ೪ | ൪ |
| 5 | ५ | ৫ | ੫ | ૫ | ௫ | ౫ | ೫ | ൫ |
| 6 | ६ | ৬ | ੬ | ૬ | ௬ | ౬ | ೬ | ൬ |
| 7 | ७ | ৭ | ੭ | ૭ | ௭ | ౭ | ೭ | ൭ |
| 8 | ८ | ৮ | ੮ | ૮ | ௮ | ౮ | ೮ | ൮ |
| 9 | ९ | ৯ | ੯ | ૯ | ௯ | ౯ | ೯ | ൯ |
Indischer Schriftenkreis in Unicode
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die folgenden Schriften des indischen Schriftenkreises sind in der Unicode-Version 5.2 für die Datenverarbeitung kodiert:
- Südasiatische Schriften: Bengalisch, Devanagari, Gujarati, Gurmukhi, Kaithi, Kannada, Lepcha, Limbu, Malayalam, Meitei-Mayek, Oriya, Phagspa, Saurashtra, Singhalesisch, Syloti Nagri, Tamilisch, Telugu, Tibetisch.
- Südostasiatische Schriften: Balinesisch, Buginesisch, Cham, Javanisch, Kayah Li, Khmer, Laotisch, Myanmar, Neu-Tai-Lue, philippinische Schriften (Buid, Hanunóo, Tagalog, Tagbanuwa), Rejang, Sundanesisch, Tai Dam, Tai Le, Tai Viet, Thailändisch.
Für die korrekte Darstellung sind für die indischen Schriften in Unicode komplexe Darstellungsalgorithmen vorgesehen.
Siehe auch: Inscript; Tastatur-Layout für die Eingabe von indischen Schriften auf einem Computer
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- George L. Campbell: Compendium of the World's Languages. London 1991, ISBN 0-415-02937-6.
- Hans Jensen: Die Schrift in Vergangenheit und Gegenwart. Berlin 1969.
- Colin P. Masica: The Indo-Aryan Languages. Cambridge 1991, ISBN 0-521-23420-4.