Die HillerUH-12[A 1] war ein zwei- bis viersitziger leichter Beobachtungs- und Schulhubschrauber, der in beinahe allen Versionen auch bei der United States Army eingesetzt wurde, u.a. im Koreakrieg. Die Gesamtproduktion belief sich auf über 2000 Einheiten, was ihn zum kommerziell erfolgreichsten Hubschrauber von Hiller vor der Übernahme durch Fairchild machte. Bauweise, Einsatzgebiete und Leistungsspektrum lassen sich mit dem der Bell 47 vergleichen.
1946 entwickelte man bei Hiller den leichten Hiller360, mit dem 1949 der erste kommerzielle Transkontinentalflug eines Hubschraubers über die USA gelang. Der eigentlich zu schwache 131-kW-Franklin-Motor wurde dann 1950 durch ein 147-kW-Triebwerk ersetzt, gleichzeitig wurden neue Rotorblätter verwendet. Dieses Modell wurde von Hiller (mittlerweile United Helicopters) nun mit UH-12A bezeichnet. Es kamen schnell Aufträge vom US-Militär zustande: Bei der US Army wurde die UH-12A als H-23A Raven eingesetzt, bei der Navy als Schulhubschrauber HTE-1.
Hiller trieb die Entwicklung rasch voran und baute den Franklin 6V4-200-C33-Motor mit 147 oder 154,4kW ein. Die daraus resultierende Version UH-12B war optional mit Kufenlandegestell oder Schwimmkörpern erhältlich. Die US Army orderte mehr als die Hälfte der Produktion; nachdem die UH-12A bei der Navy erfolgreich als Schulhubschrauber eingesetzt wurde, sollte nun die UH-12B bei der Army den gleichen Zweck erfüllen. Insgesamt 216 H-23B gingen zur Primary Helicopter School in Fort Wolters. Auch die Navy orderte das neue Modell: Sie wurde als HTE-2 bezeichnet und bekam statt der Kufen bzw. Schwimmkörper ein Vierrad-Fahrgestell.
Umfassende Änderungen erfuhr das 1955 erschienene Modell UH-12C. Der Franklin-Motor wurde zwar beibehalten, aber der Hauptrotor wurde praktisch neu konstruiert und der Helikopter bekam die bekannte Plexiglas-Kabine, die aufgrund ihrer bauchigen Form scherzhaft „Goldfischglas“ genannt wurde, aber eine hervorragende Rundumsicht bot. Ab 1956 gingen insgesamt 145 Einheiten als H-23C an die Army.
Bereits am 3. April 1956 flog der Prototyp der neuen UH-12-Generation, die „D“. Diese Version war speziell für das Militär entwickelt worden. Der Franklin-Motor musste dem deutlich stärkeren Lycoming-VO-435-Triebwerk mit 250PS weichen und das Getriebe wurde verstärkt. 483 Stück dieser Version gingen an die Army (H-23D).
Bei der Army hatte man eigene Versionen entwickelt; daher war die UH-12E hier die OH-23G. Dieses Modell hatte eine noch stärkere Maschine als die UH-12D (Lycoming VO-540 mit 305 PS) und war die meistgebaute Ausführung der UH-12-Modellreihe. Sowohl bei der Army als auch bei Hiller änderten sich nun die Bezeichnungen: Die Army hatte die Kennbuchstaben OH für „Observation Helicopter“ (Beobachtungshubschrauber) eingeführt und Hiller, die von „United Helicopters“ zu „Hiller Aircraft Corporation“ umfirmiert hatten, ersetzten UH durch das ganze Wort Hiller.
1960 erschien die letzte militärisch genutzte Variante: Die Hiller 12E4. Die Kabine war um 64cm verlängert worden und der Hubschrauber konnte nun vier Personen aufnehmen. Die Army nutzte sie für geodätische Vermessungsarbeiten und besaß 22 Exemplare, die sie als OH-23F bezeichnete.
Die letzte Entwicklungsstufe in der UH-12-Reihe war ab 1963 die Hiller 12LE, eine zivile Ausführung. Produziert und verkauft wurde diese Variante und auch noch einige der älteren Modelle bis Ende der 1960er Jahre. Es wurden Versuche unternommen, eine Pratt & Whitney Canada PT6-Turbine als Antrieb der 12LE zu nutzen, allerdings wurde dieses Projekt aufgegeben.
Hiller 360 – gelegentlich auch als UH-12 bezeichnet. War die erste Version aus dem die UH-12A entstehen sollte. Sie wurde am 14. Oktober 1948 offiziell zugelassen.[1]
UH-12A – Serienmodell für die US Army, angetrieben von einem sechszylindrigen, lüftergekühlten Franklin Motor vom Typ 6V4-178-B33 mit einer maximalen Leistung von 178 PS bei 3000 U/min. Die Hauptrotorblätter (hergestellt von Parsons Industries Inc.) bestehen aus Massivholzlamellen. Der Blattkörper besteht im Wesentlichen aus zahlreichen Holzlamellen in Form von Streifen und Blöcken, die für ein stabiles und zugleich hochflexibles Blatt ausgelegt sind. Die gesamte Blattoberfläche ist mit Glasfasergewebe überzogen, wobei die Vorderkante zusätzlich mit einem Edelstahlblech verstärkt ist. Der Heckrotor ist vollständig aus Metall gefertigt.
UH-12B (HTE-2) – Ausbildungsversion für die US Navy. Bezeichnung der US Navy vor 1962: HTE-2. 216 Maschinen wurden gebaut.[2]
UH-12C – Dreisitzige Version, ausgestattet mit Rotorblättern aus Holz und einer einteiligen „Goldfischglas“-Kabinenhaube. Bezeichnung der US Army H-23C.[3]
UH-12D – Verbesserte Version des H-23C für die US Army. Bezeichnung der US Army H-23D.
UH-12E – Dreisitzige Version der H-23D mit Doppelsteuerung.
UH-12ET – Turbinenbetriebene Version der UH-12E, ausgestattet mit einem Allison250 Turbowellentriebwerk.
UH-12E-3 – Neue dreisitzige Serienversion.
UH-12E-3T – eine UH-12E-3 mit der Allison Turbine der UH-12ET.
Hiller UH-12E-4 (1979)UH-12E-4 – Viersitzige zivile Version (Pilot vorne, drei Passagiersitze hinten). Bezeichnung der US Army H-23F. Angetrieben durch einen VO-540-Motor. Umrüstsatz für E-12-Modelle war erhältlich.[4][5]
UH-12L-4 – Verlängerte Version mit breiteren Kabinenfenstern.
YH-23 – Ein Exemplar des Modells UH-12A, umgerüstet mit einer zweisitzigen Kabine und einem 178-hp-Franklin-Motor für Testflüge der USArmy.
H-23A – Erste Serienversion mit einem Franklin O-335-4-Kolbenmotor mit 133 kW (178 PS) und einem zweisitzigen Cockpit; 105 Exemplare wurden für die US Army und 5 zur Erprobung durch die US Air Force gebaut. Später zur OH-23A umbenannt.[7]
H-23B – H-23A mit Kufen-/Radfahrwerk und einem 149 kW (200 PS) starken O-335-6-Triebwerk (einige wurden später mit einem 250 PS starken VO-435-23B-Triebwerk nachgerüstet), 1962 in OH-23B umbenannt, 273 Exemplare für die US-Armee und 81 für den militärischen Export gebaut.
H-23C – Modell der UH-12C mit dreisitziger Kabine, einteiliger Kabinenhaube und Rotorblättern aus Metall; 145 Exemplare wurden für die US Army gebaut. 1962 in OH-23C umbenannt
H-23D – eine H-23C mit neuem Rotor, neuem Getriebe und einem Lycoming VO-435-23B-Motor mit 187 kW (250 PS); 483Exemplare wurden für die US Army gebaut. 1962 in OH-23D umbenannt.
H-23E – Modell UH-12E, nicht gekauft
H-23F – ab 1960 als Version der Modell UH-12E-4 gebaut. Sie ist eine viersitzige Version mit einer um 63,5 cm (25 Zoll) verlängerten Kabine und einem 305 PS starken VO-540-A1B-Triebwerk, 1962 in OH-23F umbenannt, 22 Exemplare für die US Army gebaut.
UH-12A/HTE-1 im National Aviation MuseumH-23G – Dreisitzige Version des H-23F mit Doppelsteuerung, 1962 in OH-23G umbenannt, 793 Exemplare gebaut.
HTE-1 – Version für die US Navy des Modells UH-12A mit Franklin-O-335-Motor. Als Zweisitzer mit doppelter Steuerung und dreirädrigem Fahrwerk, 17 Exemplare gebaut.[8]
HTE-2 – Version der H-23B für die US-Marine mit einem Franklin O-335-6-Motor; 35 Exemplare wurden gebaut.[9]
Hiller HT Mk 1 – Bezeichnung der Royal Navy für 20 ehemalige HTE-2 der US Navy.
Hiller HT Mk 2 – UH-12E für die Royal Navy. 21 Stück geliefert.
CH-112 Nomad – kanadische Militärbezeichnung für die UH-12E.
↑Statistical Digest of the USAF 1948, S. 16; 1949, S. 164 f.; 1951, S. 158; 1952, S. 158; 1953, S. 185 f.; 1954, S. 70 f.; 1955, S. 80 f.; 1956, S. 91 f.; 1957, S. 97 f.; 1958, S. 72; 1959, S. 68
↑Die nachfolgend verwendete zivile Bezeichnung „UH-12“ steht für United Helicopters; unter diesem Namen firmierte die Hiller Aircraft Corporation in den 1950er Jahren. Sie ist nicht zu verwechseln mit der von der US Army vergebenen militärischen Bezeichnung UH (Utility Helicopter = Mehrzweckhubschrauber, z.B. Bell UH-1), die ohnehin erst 1962 eingeführt wurde (vormals HU). Die korrekte militärische Bezeichnung der UH-12 lautete H-23 und OH-23 (US Army) bzw. HTE-1 und HTE-2 (US Navy). Somit ist umgekehrt auch die verbreitete Meinung, H-23 stehe für „Hiller Modell 23“, falsch, da die Armee das H (für Helicopter) und die Kennziffer 23 vergeben hatte. Der H-23 war also bei seiner Einführung das „United Helicopters Modell 12“; nach der Umbenennung von „United Helicopters“ in „Hiller Aircraft Corporation“ wurden die folgenden Modelle als „Hiller 12“ bezeichnet.