Der Staatsanwalt hat das Wort
| Fernsehserie | |
| Titel | Der Staatsanwalt hat das Wort |
|---|---|
| Produktionsland | DDR (1991: BRD) |
| Genre | Kriminalfilm |
| Erscheinungsjahre | 1965–1991 |
| Episoden | 140 (Liste) |
| Idee | Käthe Riemann |
| Musik | Karl-Heinz Schröder Peter Gotthardt (Standardtitel) |
| Erstausstrahlung | 21. Okt. 1965 auf DFF |
Der Staatsanwalt hat das Wort ist eine Kriminalreihe des Deutschen Fernsehfunks (bzw. Fernsehens der DDR), die von 1965 bis 1991 produziert wurde.
Entstehung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bis Anfang der 1960er-Jahre brachte der Deutsche Fernsehfunk zahlreiche Krimireihen heraus, die Verbrechen von westlicher Seite behandelten, aber fast nie mit den Ursachen in der DDR. Im Juli 1963 wurde die Dramaturgin Käthe Riemann gebeten, eine Sendung nach Vorbild der westdeutschen Reihe Das Fernsehgericht tagt zu konzipieren.[1] Im Vordergrund sollten der Rechtspflegeerlass und das damit verbundene neue Strafsystem stehen.
Ende des Jahres war Riemann fertig. Ihre Idee hob sich sowohl vom vorgesehenen Format als auch von gängigen Krimistandards ab. Ermittlerfiguren gab es in der Reihe nicht. Jeder Film konzentrierte sich ganz auf die Vorgeschichte eines Verbrechens oder Vergehens und leuchtete das soziale Umfeld des Täters aus, dessen Tat somit auf ihre gesellschaftliche Bedingtheit bezogen wurde. Auch die Gerichtsverhandlung wurde nicht gezeigt, sondern lediglich das Urteil kurz mitgeteilt und teilweise erläutert.
Die erste Folge von Der Staatsanwalt hat das Wort lief am 21. Oktober 1965 unter dem Titel Seriöser Erfinder sucht Teilhaber. Der Reihe kamen aus Sicht der Verantwortlichen mehrere Funktionen zu. Auf der einen Seite wollte man Kriminalität mit künstlerischen Mitteln bekämpfen und das Rechtsbewusstsein der DDR-Bürger stärken. Auf der anderen Seite sollte auch dem Bedürfnis des Publikums nach spannender Unterhaltung entsprochen werden. Es war die erste Reihe, die sich mit Verbrechen und Vergehen von DDR-Bürgern auseinandersetzte. Nur zwei Folgen behandelten Fälle, deren Ursachen von der Bundesrepublik Deutschland ausgingen.
Struktur
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Kommentare
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Titelgebendes und besonderes Element der Reihe waren die Kommentare des Staatsanwalts Peter Przybylski. Nach kurzen, einleitenden Worten zu Beginn der Sendung folgte die Spielhandlung, an deren Ende die behandelte Tat oder die Entdeckung der Taten standen. Zum Ende kommentierte er die Taten und die Umstände, die zu ihr geführt hatten. Dabei nannte er auch das verkündete Urteil und wies auf moralische Faktoren aus sozialistischer Sicht hin.
- Beispiel
Zur Einführung der neuen TV-Reihe am 21. Oktober 1965 wandte sich Peter Przybylski, Staatsanwalt beim Generalstaatsanwalt der DDR, vor der Ausstrahlung der ersten Folge Seriöser Erfinder sucht Teilhaber mit folgenden Worten an die Fernsehzuschauer:
- Guten Abend, meine Damen und Herren!
- Gestatten Sie mir bitte zum besseren Verständnis dieser Sendereihe einige Worte.
- Wir werden Ihnen keine Krimis vorführen, vielmehr möchten wir Sie mit den Problemen von Menschen bekannt machen, die für jeden verbindliche Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens verletzt haben und mit unseren Gesetzen in Konflikt geraten sind. Dazu haben wir Strafsachen ausgewählt, die in letzter Zeit vor Gerichten unserer Republik verhandelt worden sind. Natürlich mußten wir die Namen der beteiligten Personen ändern und wir waren auch zu einer Straffung der einzelnen Fälle gezwungen.
- Warum kann ein Mensch der sozialistischen Gesellschaft zum Verbrecher werden? Längst hat doch das Verbrechen in unserer Republik aufgehört, etwas Gesetzmäßiges zu sein. Und längst ist auch der Kampf gegen Straftaten nicht mehr Sache des Staatsanwalts oder Richters allein. Immer mehr Menschen nehmen Anteil an der Erziehung des Rechtsbrechers: Brigaden, Hausgemeinschaften, Kollektive. Aber noch gibt es auch bei uns Egoismus, Neid, Habgier und Unehrlichkeit. Aus solchen rückständigen Denk- und Lebensgewohnheiten nährt sich das Verbrechen.
- Meine Damen und Herren, unsere Sendereihe soll ein wenig dazu beitragen, die Ursachen und Bedingungen von Straftaten besser zu erkennen und schneller zu beseitigen. Denn das Verbrechen ist keines etwas, das der einzelne von seinen Vorfahren ererbt hat, ist kein individueller Sündenfall, sondern immer und überall eine gesellschaftliche Erscheinung. Daher wirft jede Straftat, wirft jedes Verbrechen nicht nur die Frage nach der Schuld des Täters, sondern auch die nach der Verantwortung der Gesellschaft auf.[2]
(In heutigen Wiederholungen werden die Auftritte des Staatsanwaltes meist herausgeschnitten und durch einfache Schrifttafeln ersetzt, die die Verurteilung des Täters erläutern.)
Inhalte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei der Auswahl der Themen wurde darauf geachtet, dass der offiziellen Kriminalitätsstatistik der DDR entsprochen wurde. So wurden hauptsächlich kleinere Delikte wie Raub, Heiratsschwindel, Trunkenheit am Steuer oder Unterschlagung thematisiert. Dass Gewalttaten kaum zur Sprache kamen, wurde darin begründet, dass Morde am häuslichen Herd äußerst selten und nicht zu verhindern seien. Für den Staatsanwalt konzipierte Drehbücher, die Gewaltverbrechen behandelten, wurden meist der Polizeiruf-Reihe zugeschlagen. Beim Staatsanwalt selbst gab es nur selten Todesfälle. So endete lediglich der 100. Fall Hubertusjagd (1985) mit einem Eifersuchtsmord.
Viele andere Filme der Reihe stellten soziale Problematiken dar. Dazu gehörte, wie beim „Polizeiruf“ auch, das brisante Feld des Alkoholismus. Ein wichtiger Aspekt der Reihe war auch die Wiedereingliederung Straffälliger in die Gesellschaft. Sie wurden meist als eigentlich gutwillige Personen dargestellt, die ein neues Leben beginnen wollten, aber durch Labilität und den Einfluss anderer rückfällig wurden.
Verbotene oder nicht gesendete Folgen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zwei Folgen der Reihe wurden nicht zum vorgesehenen Termin gesendet. Das war einerseits die Folge Risiko von 1979. Diese entstand zwar auf Vorschlag des Staatsanwalts und thematisierte eine Flucht aus der DDR, war den Sendeverantwortlichen dann aber nicht genehm. Sie konnte erst 1990 gezeigt werden.
Der Film Übergangslösungen von 1990 behandelte Probleme in der sozialistischen Produktion, die dann in der sich schnell verändernden Wendezeit offenbar nicht mehr als zeitgemäß galten. Der Film wurde trotz guter Qualität bisher noch nie gesendet.
Ende
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Während der politischen Wende in der DDR 1989/1990 gingen die vorher sehr hohen Quoten der Staatsanwalt-Reihe schnell drastisch zurück. Viele Zuschauer kritisierten die weitere Anwesenheit des von sozialistischen Idealen geprägten Staatsanwalts Peter Przybylski. Deshalb wurde in der Folge Hallo Partner (18. Februar 1990) stattdessen erstmals eine Diskussion von mehreren Experten unter der Moderation von Jutta Pwalowsky durchgeführt. Danach meldeten sich aber wieder Zuschauer, die weiterhin den Kommentar von Peter Przybylski hören wollten, der dann in Robert und seine Schwestern (25. März 1990) seinen letzten Auftritt hatte.
1990 beschlossen die verantwortlichen Gremien des Deutschen Fernsehfunks unter der Leitung von Thomas Steinke (danach Fernsehspiel-Leiter des Nachfolgesenders MDR), die Reihe abzusetzen. Danach wurden nur noch die letzten begonnenen Projekte zu Ende geführt. Die Kommentare des Staatsanwalts wurden durch Live-Diskussionen oder Schrifttafeln ersetzt. Die Folge Hallo Partner (1990) setzte sich erstmals mit Drogen auseinander, Küsse und Schläge aus demselben Jahr mit Gewalt an Kindern innerhalb der Familie.
Die letzte offizielle Folge lief am 28. Juli 1991 mit dem passenden Titel Bis zum bitteren Ende. Danach wurden noch die Filme Lord Hansi (1991) und Fraktur (1993) ausgestrahlt, allerdings ohne den Serientitel und -vorspann.
Folgen
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Wiederholungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der westdeutschen ARD wurden in den 1970er Jahren auch einige Folgen ausgestrahlt, allerdings ohne den Kommentar des Staatsanwaltes.[3] Nach 1991 gab es viele Wiederholungen beim Mitteldeutschen Rundfunk, einige auch beim Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) und dem Sender Freies Berlin (SFB, beim Gernsehabend), über die es aber bis 1998 keine online-verfügbaren Informationen gibt. 1998/1999 sendete der Kultursender 3sat 17 Folgen auf seinem Krimi-Wiederholungstermin am späten Sonntagabend (danach folgten dort Filme des westdeutschen Klassikers Der Kommissar). Von 2010 bis 2013 sendete der MDR 74 Wiederholungen, zweimal in fast chronologischer Reihenfolge. Danach sendete der Hessische Rundfunk von 2013 bis 2016 wöchentlich 119 Wiederholungen, dabei einige Filme zweimal.[4] In den folgenden Jahren sendete der MDR jährlich noch einige Folgen, ab 2018 seltener, zuletzt bisher 2025.
Die am häufigsten wiederholten Folgen zwischen 1998 und 2025 waren Hubertusjagd (1985, 11×),[5] Ein todsicherer Tip (1986, 10×), Ich werde dich nie verraten (1986, 10×), Für Elise (1987, 8×), Unter einem Dach (1987, 8×), Alles umsonst (1988, 8×), Hoffnung für Anna (1983, 7×), Gefährliche Freundschaft (1983, 7×), Ein Kartenhaus (1984, 7×) und Das Biest (1985, 7×).
Sonstiges
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Erfolg der Sendung inspirierte den Rundfunk der DDR, ab 1973 eine ähnliche Hörspiel-Reihe Tatbestand zu senden, mit insgesamt 40 Hörspielen.
1987 gab es beim Staatsanwalt ein kleines Crossover mit dem Polizeiruf: In dem Film Himmelblau oder Hans im Glück (118. Folge, Erstsendung 29. November 1987) trat Andreas Schmidt-Schaller als Leutnant Grawe auf, der zu dieser Zeit einer der Ermittler des Polizeirufs war.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Michael Schuster: Der Staatsanwalt hat das Wort - Geschichten um eine Fernsehreihe. Schuster Verlag Baalberge 2023, Bernburg (Saale). ISBN 978-3-910706-03-3. DNB 1309948984.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Der Staatsanwalt hat das Wort MDR, über die Geschichte
- Der Staatsanwalt hat das Wort bei IMDb
- Der Staatsanwalt hat das Wort bei Fernsehserien.de
- Der Staatsanwalt hat das Wort Uni Halle (Memento), mit Sekundärliteratur
- Staatsanwalt-Lexikon (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Der Staatsanwalt hat das Wort MDR (Memento), mit weiteren Details zu Entstehung und Bedeutung der Krimireihe
- ↑ Staatsanwalt-Lexikon (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.): Mitschrift aus der Folge Seriöser Erfinder sucht Teilhaber, 21. Oktober 1965, DFF1
- ↑ Der Staatsanwalt hat das Wort MDR (Memento)
- ↑ Der Staatsanwalt hat das Wort. Sendetermine 2015–2025 Fernsehserien, mit wahrscheinlich allen Sendeterminen aus dieser Zeit
- ↑ Hubertusjagd Fernsehserien, mit allen bekannten Wiederholungen 1998 bis 2023 (ausklappen)