Österreichischer Verdienstorden




Der österreichische Verdienstorden war seit dem 9. Oktober 1934 der Verdienstorden des Bundesstaats Österreich. Er bestand aus elf Ordensklassen, außerdem waren ihm zwei österreichische Verdienstzeichen und drei österreichische Verdienstmedaillen affiliiert. Der Orden ging durch Umwandlung bei Beibehaltung des Aussehens der Dekorationen aus dem Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich hervor, das am 4. November 1922 als staatliche Auszeichnung der Ersten Republik Österreich in zehn Stufen gestiftet worden war.
Grade
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Grad (1922–1934) | Grad (1934–1938) | Bezeichnung der Beliehenen (1934–1938) |
|---|---|---|
| Großstern des Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich | Groß-Stern des österreichischen Verdienstordens | Inhaber des Groß-Sterns des österreichischen Verdienstordens |
| – | Großkreuz I. Klasse des österreichischen Verdienstordens mit dem Adler (ab 1935) | Inhaber des Großkreuzes I. Klasse des österreichischen Verdienstordens mit dem Adler (ab 1935) |
| Großes goldenes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich | Großkreuz I. Klasse des österreichischen Verdienstordens | Inhaber des Großkreuzes I. Klasse des österreichischen Verdienstordens |
| Großes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich (ab 1926) | Großkreuz des österreichischen Verdienstordens | Inhaber des Großkreuzes des österreichischen Verdienstordens |
| Großes goldenes Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich | Komturkreuz I. Klasse mit dem Stern des österreichischen Verdienstordens | Großoffizier des österreichischen Verdienstordens |
| Großes Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich (ab 1926) | Komturkreuz mit dem Stern des österreichischen Verdienstordens | |
| Großes goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich | Komturkreuz I. Klasse des österreichischen Verdienstordens | Komtur des österreichischen Verdienstordens |
| Großes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (ab 1926) | Komturkreuz des österreichischen Verdienstordens | |
| Großes silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich | Offizierskreuz des österreichischen Verdienstordens | Offizier des österreichischen Verdienstordens |
| Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich | Ritterkreuz I. Klasse des österreichischen Verdienstordens | Ritter des österreichischen Verdienstordens |
| Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich | Ritterkreuz des österreichischen Verdienstordens | |
| Goldenes Verdienstzeichen der Republik Österreich (ab 1930) | Österreichisches goldenes Verdienstzeichen | Besitzer des österreichischen goldenen Verdienstzeichens |
| Silbernes Verdienstzeichen der Republik Österreich (ab 1930) | Österreichisches silbernes Verdienstzeichen | Besitzer des österreichischen silbernen Verdienstzeichens |
| Goldene Medaille für Verdienste um die Republik Österreich | Österreichische goldene Verdienstmedaille | Besitzer der österreichischen goldenen Verdienstmedaille |
| Große silberne Medaille für Verdienste um die Republik Österreich | Österreichische große silberne Verdienstmedaille | Besitzer der österreichischen großen silbernen Verdienstmedaille |
| Silberne Medaille für Verdienste um die Republik Österreich | Österreichische silberne Verdienstmedaille | Besitzer der österreichischen silbernen Verdienstmedaille |
| Bronzene Medaille für Verdienste um die Republik Österreich (ab 1930) | Österreichische bronzene Verdienstmedaille | Besitzer der österreichischen bronzenen Verdienstmedaille |
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich war die wichtigste staatliche Ehrung, die in Österreich vergeben wurde. Ein gleichnamiges Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich wurde später von der Zweiten Republik Österreich mit Bundesgesetz vom 2. April 1952 eingeführt. Die entsprechenden Bestimmungen waren im Bundesgesetzblatt für die Republik Österreich (BGBl.) verankert.
1934 wurde das Ehrenzeichen in den Verdienstorden, die Verdienstzeichen und die Verdienstmedaillen umgewandelt. Die gesetzliche Grundlage für die neuen Orden und Ehrenzeichen wurden im Herbst 1934 gelegt. Am 24. September 1934 wurde ein Bundesgesetz erlassen, worin die Ablöse der bisherigen Ehrenzeichen durch die neuen Auszeichnungen beschlossen wurde. Der Bundespräsident wurde darin mit Tag seiner Wahl als Inhaber der höchsten Stufe des Verdienstordens bestimmt. Im Gegensatz zu den bisherigen Ehrenzeichen wurde festgelegt, dass die neuen Ehrenzeichen im Eigentum der Beliehenen und ihrer Erben bleiben. Die Bundesregierung wurde ermächtigt, die Statuen und näheren Bestimmungen zu den neuen Orden und Ehrenzeichen per Verordnung festzulegen.[1]
Die entsprechende Verordnung wurde am 9. Oktober 1934 erlassen. Darin wurden Abstufungen, Aussehen und Bestimmungen zum Tragen der Dekorationen der Ehrenzeichen beschrieben. Die Verleihung der Orden und Ehrenzeichen sollte auf Vorschlag der Bundesregierung durch den Bundespräsidenten erfolgen.
Die Orden und Ehrenzeichen waren für Personen des In- und Auslandes vorgesehen, die sich um den Bundesstaat Österreich Verdienste erworben haben. Es wurden zunächst zehn Grade des österreichischen Verdienstordens, zwei Grade des Verdienstzeichens und vier Grade der Verdienstmedaille festgelegt, sowie damit verbundene Bezeichnungen der Beliehenen.[2] Der Groß-Stern war als höchster Grad des Verdienstordens nur für Staatsoberhäupter und Souveräne vorgesehen.[3] Im August 1935 wurde der zusätzliche Grad Großkreuz I. Klasse des österreichischen Verdienstordens mit dem Adler geschaffen. Die neue Auszeichnung war nur für Regierungschefs vorgesehen und wurde erstmals im Juni 1936 verliehen.[4][5]
Dekoration und Trageweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Gestaltung der Dekoration wurde im Wesentlichen vom Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (Stiftung 1922) übernommen.
Inhaber des Groß-Sterns trugen ein 50 mm hohes und 47 mm breites, schwarz emailliertes, gold eingefasstes Krückenkreuz an einem 110 mm breiten Schulterband, dazu einen aus acht brillantierten Strahlen aus Silber zusammengesetzten Bruststern von 90 mm Durchmesser, mit dem schwarzen Krückenkreuz darauf. Inhaber des Großkreuzes I. Klasse und des Großkreuzes trugen dieselbe Dekoration wie die des Groß-Sterns, allerdings mit einem roten bzw. weißen Krückenkreuz. Die 1935 eingeführte Stufe mit dem Adler zeigte auf den Kreuzarmen des Krückenkreuzes den Doppeladler des Bundesstaats Österreich. Der Bruststern war silbern und zeigte ebenfalls den Doppeladler sowie die Wappen der Bundesländer und der damals bundesunmittelbaren Stadt Wien.
Das Komturkreuz war 43 mm hoch, 40 mm breit und wurde an einem 47 mm breiten Band am Hals getragen. Das Komturkreuz I. Klasse (mit und ohne Stern) war rot, das der anderen Grade weiß. Der Stern entsprach dem der Inhaber des Großkreuzes, hatte jedoch nur einen Durchmesser von 77 mm.
Das Offizierskreuz war ein weißes Steckkreuz von 55 mm Höhe und 48 mm Breite. Das Ritterkreuz I. Klasse war weiß, golden eingefasst, 34 mm hoch und 32 mm breit. Das Ritterkreuz war weiß, silbern eingefasst, 31 mm hoch und 29 mm breit. Beide wurden an einem 40 mm breiten Dreiecksband getragen.
Das Verdienstzeichen entsprach dem Ritterkreuz I. Klasse, war jedoch ganz vergoldet bzw. versilbert. Die Verdienstmedaillen hatten einen Durchmesser von 45 mm und zeigten den Doppeladler sowie die Wappen der Länder im Avers, im Revers die Inschrift Für Verdienste um den Bundesstaat Österreich.
Kosten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Es fielen laut Verordnung vom 4. Mai 1923, BGBl. Nr. 293/23 anfangs folgende Kosten für den Beliehenen an:
- 6000 Kronen für den Großstern des Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich
- 5000 Kronen für das Große goldene Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich
- 4000 Kronen für das Große goldene Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich
- 3000 Kronen für das Große goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
- 2000 Kronen für das Große silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
- 500 Kronen für das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
- 200 Kronen für das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
- 50 Kronen für die Goldene Medaille für Verdienste um die Republik Österreich
- 20 Kronen für die Große silberne Medaille für Verdienste um die Republik Österreich
- 10 Kronen für die Silberne Medaille für Verdienste um die Republik Österreich
Verleihungspraxis
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anhand der militärischen Dienstgrade des Bundesheeres kann die Stufe und Wertigkeit der Ehrenzeichen annähernd zugeordnet werden:
- General: Großes goldenes Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich
- Generalmajor: Großes silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
- Oberst: Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
- Oberstleutnant: Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
- Major: Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
- Hauptmann: Goldenes Verdienstzeichen der Republik Österreich
- Oberleutnant: Silbernes Verdienstzeichen der Republik Österreich
- Leutnant: Silbernes Verdienstzeichen der Republik Österreich
- Vizeleutnant: Goldenes Verdienstzeichen der Republik Österreich
- Offizierstellvertreter: Silbernes Verdienstzeichen der Republik Österreich
- Stabswachtmeister: Silbernes Verdienstzeichen der Republik Österreich
- Wachtmeister: Silberne Medaille für Verdienste um die Republik Österreich
- Zugsführer: Silberne Medaille für Verdienste um die Republik Österreich
- Korporal: Silberne Medaille für Verdienste um die Republik Österreich
- Gefreiter: Silberne Medaille für Verdienste um die Republik Österreich
Träger
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine Auflistung der Träger ist in der Kategorie:Träger des österreichischen Verdienstordens (1934) zu finden.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Museale Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Wiener Heeresgeschichtlichen Museum ist der Verdienstorden in allen Variationen in einer eigenen Vitrine (Bereich Republik und Diktatur) ausgestellt.[6]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Peter Diem: Die Symbole Österreichs. Kremayr & Scheriau, Wien 1995.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Bundesgesetz vom 24. September 1934 über die Umwandlung des Ehrenzeichens für Verdienste um den Bundesstaat Österreich in einen Verdienstorden. In: BGBl. II Nr. 267/1934. Wien 8. Oktober 1934 (Online auf ALEX).
- ↑ Verordnung der Bundesregierung vom 9. Oktober 1934, betreffend die Statuten für den österreichischen Verdienstorden, die österreichischen Verdienstzeichen und die österreichischen Verdienstmedaillen. In: BGBl. II Nr. 272/1934. Wien 9. Oktober 1934 (Online auf ALEX).
- ↑ Ereignisse der Woche. In: Neues Wiener Tagblatt (Wochen-Ausgabe), 31. August 1935, S. 14 (online bei ANNO).
- ↑ Hohe Auszeichnungen für Doktor Schuschnigg, Mussolini und Gömbös. In: Der Wiener Tag, 11. Juni 1936, S. 1 (online bei ANNO).
- ↑ Verordnung der Bundesregierung, mit der die Verordnung, betreffend die Statuten für den österreichischen Verdienstorden, die österreichischen Verdienstzeichen und die österreichischen Verdienstmedaillen, B. G. Bl. II Nr. 272/34 abgeändert wird. In: BGBl. Nr. 351/1935. Wien 23. August 1935 (Online auf ALEX).
- ↑ Heeresgeschichtliches Museum / Militärhistorisches Institut (Hrsg.): Das Heeresgeschichtliche Museum im Wiener Arsenal. Verlag Militaria, Wien 2016, ISBN 978-3-902551-69-6, S. 135