Iran-Hinrichtungsdrohungen: Wie geht Trump gegen die Mullahs vor?

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IranMullahs wollen Demonstranten hinrichten – wie reagiert Trump?

Trotz Drohung von Donald Trump will das iranische Regime rasch Demonstranten hinrichten lassen. Folgt die nächste militärische Intervention der USA – und wie könnte sie aussehen?

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Darum gehts

  • Trotz Trumps Drohungen will das iranische Regime Demonstranten hinrichten.
  • Nahostexperten analysieren mögliche militärische Reaktionen der USA.
  • Ein Regimewechsel durch US-Militär ist laut Experten unwahrscheinlich. Selbst Bodentruppen wären keine Garantie.
  • Die Experten erwarten eher symbolische Angriffe. Ein langsamer Zerfall des Regimes ist wahrscheinlicher.

Die Situation zwischen den USA und dem Iran heizt sich auf. US-Präsident Donald Trump befeuert die Demonstranten im Iran, weiter zu protestieren, und droht mit einem Angriff, wenn das Ayatollah-Regime Aktivisten hinrichtet. Das Regime verhärtet derweil seinen Kurs gegen die Demonstranten. «Allen Anzeichen zufolge steht ein Eingreifen der USA bevor», sagt Nahostexperte Andreas Böhm, «doch dessen Zielrichtung, Umfang und Ausmass sind unklar.»

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Gegenüber 20 Minuten schätzen Böhm und der Iran-Experte Walter Posch die möglichen Eskalationsstufen und deren Auswirkungen ein. Soll die Infrastruktur der Repression getroffen, führende Exponenten des Regimes eliminiert oder versucht werden, einen Umsturz herbeizuführen?

Die Ausgangslage: «Krieg der Agenten läuft schon längst»

Der Iran-Experte glaubt nicht, dass die gegenwärtigen Massenproteste den Sturz des Regimes herbeiführen werden: «Es gibt keine landesweite Organisation, welche die Proteste koordiniert, keinen einheitlichen Slogan. Und was heisst Massenproteste im Kontext eines 90-Millionen-Volkes?»

Das, obwohl die USA bereits im Iran tätig seien. «Der Krieg der Agenten, der Krieg um jede Miliz, der Krieg der Proxys läuft schon die ganze Zeit», so Posch. Die USA seien etwa nachrichtendienstlich vor Ort, nutzten zudem ihre Medienmacht und übten über Sanktionen wirtschaftlichen Druck aus. Einen Erfolg dieser Strategie sieht Posch aber nicht. «Diese Möglichkeiten sind wohl bereits mehrheitlich ausgereizt.»

Szenario 1: Angriffe auf die Infrastruktur

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Auf der ersten Eskalationsstufe würden etwa Angriffe auf Überwachungssysteme oder Kasernen folgen. «Dies wäre eine Erleichterung für die Protestierenden», sagt Böhm. «Es würde aber wenig an der generellen Konstellation ändern.» Iran-Experte Posch ergänzt: «Es ist aufgrund der Proteste nicht anzunehmen, dass die Kasernen der iranischen Revolutionsgarde oder der Polizei zurzeit gefüllt sind.»

Zu den Experten

Zudem müsse in diesen Fällen ein Rückschlag auf US-Basen in der Region oder auf Israel einkalkuliert werden, betont Böhm. «Um sich längerfristig zu engagieren, müssten grössere Kampfverbände in die Region gebracht werden. Und selbst dann wäre ein Regimewechsel aus der Luft illusorisch.»

Szenario 2: Gezieltes Ausschalten von Regimevertretern

Wechsle das Ziel von Infrastruktur auf Regimevertreter, brächte dies allerdings ebenfalls Probleme mit sich. «Die Ausschaltung führender Exponenten des Regimes, allenfalls sogar des Revolutionsführers, hätte sicher eine Schwächung zur Folge, aber man muss es sich als ein Machtkonglomerat vorstellen, das von einzelnen Personen unabhängig ist», sagt Nahostexperte Böhm.

«Man sollte sich keinen Illusionen hingeben. Eine liberale westliche Demokratie ist in diesem Fall kaum zu erwarten.»

Andreas Böhm, Nahostexperte

Selbst den Erfolg einer Eliminierung Chameneis sieht er kurzfristig kritisch, auch wenn sie zu einer Neuaufstellung der politischen Führung führen würde. «Man sollte sich keinen Illusionen hingeben. Eine liberale westliche Demokratie ist in diesem Fall kaum zu erwarten, eher eine säkularere, nationalistische Militärdiktatur der Revolutionsgarden.»

Szenario 3: US-Truppen auf dem Boden

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Aufgrund der geringen Erfolgschance tieferer Eskalationsstufen sehen sowohl Böhm als auch Posch einen Einsatz von Bodentruppen als einzigen Weg, um einen Regimewechsel gewaltsam zu erzwingen. «Wenn eine Maduro-artige Aktion nicht möglich oder unwahrscheinlich ist, dann bleibt nur eine grosse Operation – also das Irakszenario», sagt Posch. Doch: «Im Allgemeinen gilt der Irak nicht als grossartiger Erfolg, wenngleich der Regimewechsel möglich war.»

So blicken andere Staaten auf einen möglichen US-Eingriff

China und Russland: Aus Peking und Moskau sei keine direkte Unterstützung für das iranische Regime zu erwarten, sagt Andreas Böhm. Beiden Staaten käme es aber gelegen, wenn die USA in einen weiteren Konflikt gebunden wären.

Israel: Möglich wären laut Walter Posch nachrichtendienstliche Aktivitäten oder eine indirekte Unterstützung der Protestbewegung. Ein systematischer militärischer Einsatz wie im Juni vergangenen Jahres wäre aber wohl zu kostspielig.
Golfstaaten: Saudiarabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten wäre gemäss Böhm ein geschwächtes, aber funktionierendes iranisches Regime lieber als ein Staatszerfall mit chaotischen Folgen für die Region. Auch eine mögliche demokratische Republik Iran werde in den Golfstaaten skeptisch betrachtet.
Region insgesamt:
Ein regionaler Flächenbrand ist nach Poschs Einschätzung wenig wahrscheinlich. Arabische Staaten und auch Afghanistan verhielten sich derzeit auffallend zurückhaltend. Es werde angenommen, dass das iranische Regime stabil genug ist, um mit den inneren Unruhen fertigzuwerden.

Was ist am wahrscheinlichsten?

Böhm erwartet, dass Angriffe, die medial etwas hergeben, sei es auf Personen oder Anlagen, und dazu Cyberattacken folgen werden. «Symbolische Angriffe wären ein Fortschreiben der bisherigen Politik von Trump, denn er hat auch beim letzten Mal leere Anlagen angegriffen», findet auch Posch. Statt mit einem plötzlichen Umbruch durch US-Einsätze rechnet er mit einem schleichenden Zerfall von innen.

«Zeitfenster für Angriff schwindet»

Jennifer Kavanagh, Direktorin für Militäranalyse bei dem amerikanischen Think-Tank Defense Priorities, sagt gegenüber 20 Minuten: «Ich denke, dass sich das Zeitfenster für einen kinetischen Schlag [Anm. d. Red. ein bewaffneter Schlag] in Bezug auf die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, eine strategische Wirkung zu erzielen, schliesst.»
Insgesamt dürften sowohl bewaffnete als auch nichtbewaffnete Operationen nur begrenzte Auswirkungen auf die Stabilität des Regimes haben, so Kavanagh. «Der Nutzen für die Vereinigten Staaten wäre gering. Jede militärische Operation wäre riskant, besonders besorgniserregend ist die Möglichkeit von Vergeltungsmassnahmen gegen US-Streitkräfte in der Region.»

Die grosse Krise für das Regime könnte laut dem Iran-Experten erst mit dem Rücktritt von Ayatollah Chamenei von der politischen Bühne einsetzen. Die Nachfolge des 86-Jährigen sowie viele wirtschaftliche Fragen seien nicht geregelt, was zu einer anhaltenden Erosion der Macht- und Entscheidungsstrukturen beitrage. «Bis dahin reiht das Regime einen Pyrrhussieg, also Erfolge mit hohem Preis, nach dem anderen», so Posch.

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Jan Janssen (jjn) arbeitet seit 2023 für 20 Minuten. Zuerst im Ressort Zürich und seit 2025 im Ressort News.

Shirin Camenisch (sca) arbeitet seit 2025 als Praktikantin im Ressort News

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